Wiedereröffnung des Anna-Seghers-Museums

Öffnungszeiten und Führungen
Di/ Tue 10.00 11.30 13.00 14.30
Do/Thu 10.00 11.30 13.00 14.30 (Kiezspaziergang Adlershof)

Da die Anzahl der Besucher*innen begrenzt werden muss, sind Führungen aktuell nur zu den o.g. Zeiten möglich. Daher wird um Voranmeldung gebeten unter Tel. 030-677 4725 oder per E-Mail annaseghersmuseum@adk.de.
Für die Vereinbarung von Sonderführungen außerhalb der regulären Öffnungszeiten schicken Sie uns gern eine Anfrage, die wir umgehend beantworten.

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„Transit“ – Lesung in Potsdam

Was: Matthias Brandt liest im Rahmen des Potsdam Literaturfestivals aus dem Klassiker von Anna Seghers und spricht mit Christian Petzold über dessen Filmadaption
Wann: Do., 06.08.20, 20 Uhr
Wo: Open Air bei den Schirrhofnächten, Kulturquartier Schiffbauergasse, 14467 Potsdam
Wieviel: 15 €, erm. 12 €
Karten: online

Der Autor und Schauspieler Matthias Brandt unterhält sich mit dem Drehbuchautor und Regisseur Christian Petzold über dessen Film -Adaption des Romans „Transit“ von Anna Seghers, in der das Flüchtlingsdrama des zweiten Weltkriegs in das Marseille von heute transponiert wird. Matthias Brandt, der Erzähler in dem Film, und Christian Petzold lesen aus Roman und Drehbuch und sprechen über die tragischen Schicksale und Verwicklungen des im Film zeitlos erzählten historischen Stoffes.

Offener Brief zur Aberkennung der Gemeinnützigkeit für die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes-Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) [Update]

Update vom 10.07.20: Die Gemeinnützigkeit der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes-Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) wird weiterhin infrage gestellt. Eine Petition fordert die Berliner Finanzbehörden auf den Status wieder anzuerkennen.

Update vom 14.01.20: Der Minister hat inzwischen reagiert, die Antwort ist im Anschluss an den offenen Brief zu finden.

Sehr geehrter Herr Scholz,

mit großer Sorge haben wir von der Debatte um die Aberkennung der Gemeinnützigkeit für die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes-Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) gehört. Wir halten diese Entscheidung gerade in der heutigen Zeit für fatal und kontraproduktiv. Leider haben sich in den letzten Jahren Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit, Intoleranz und auch Aggression gegen das vermeintlich ‚Andere‘ gehäuft. Es ist sicher nicht übertrieben, diese Tendenzen als faschistoid zu beschreiben. Dem dürfen wir aber als demokratische Kräfte in der Gesellschaft keinen Raum lassen.

Ich bin selbst seit vielen Jahren SPD- und VVN-Mitglied und habe noch Menschen kennengelernt, die im Widerstand gegen den Nationalsozialismus aktiv waren. Deren Beitrag zum Aufbau einer demokratischen Gesellschaft nach dem Zweiten Weltkrieg ist in der Bundesrepublik lange Zeit verkannt und totgeschwiegen worden. Ich habe es immer als meine Aufgabe gesehen, dem entgegenzuwirken.

Als Anna-Seghers-Gesellschaft sind wir zudem einer Schriftstellerin verpflichtet, die z.B. in ihren Romanen „Der Kopflohn“, „Das siebte Kreuz“ oder „Transit“ bleibende Zeugnisse der Notwendigkeit hinterlassen hat, sich schon frühzeitig gegen diese Tendenzen zu wehren. Gerade in den letzten Jahren haben diese Werke (auch bei Lese-Aktionen) viele Leserinnen und Leser gefunden und in den Bereichen Film, Theater und Bildende Kunst viele Künstlerinnen und Künstler angeregt.

Wir schließen uns deshalb dem beiliegenden Offenen Brief des Auschwitz-Komitees von Esther Bejarano an und hoffen, dass die VVN weiterhin auch mit staatlicher Förderung ihre wichtige gesellschaftspolitische Aufgabe erfüllen kann.

Mit freundlichen Grüßen

Hans-Willi Ohl
Vorsitzender der Anna-Seghers-Gesellschaft

Offener Brief als [pdf]
Offener Brief von Esther Bejarano [pdf]

Update vom 14.01.20:

Sehr geehrter Herr Ohl,

vielen Dank für Ihr Schreiben vom 16. Dezember 2019 an Herrn Olaf Scholz in seiner Eigenschaft als Bundesminister der Finanzen. Ihm gehen Bürgeranliegen in sehr großer Anzahl zu. Deshalb bitte ich um Ihr Verständnis, dass der Minister nicht selbst die Beantwortung übernehmen kann, sondern dem Bürgerreferat diese Aufgabe übertragen wurde.

Die von Ihnen kritisierte Entscheidung der Berliner Steuerverwaltung hat den Minister genauso überrascht wie Sie. Dass die Verfassungstreue der VVN-BdA angezweifelt würde, hätte er sich nicht vorstellen können.

Die Steuerverwaltung ist nach der verfassungsrechtlichen Aufgabenverteilung in erster Linie eine Angelegenheit der Länder. Zu den Aufgaben der Finanzämter gehört auch die Überprüfung der Gemeinnützigkeit von steuerbegünstigten Organisationen. In der für das Recht der Gemeinnützigkeit ausschlaggebenden Abgabenordnung (AO) ist geregelt, dass das Finanzamt einer Organisation die Gemeinnützigkeit entziehen soll, wenn sie in einem Verfassungsschutzbericht des Bundes oder eines Landes ausdrücklich als extremistisch eingestuft ist (§51 Absatz 3 Satz 2 AO). Die betroffene Organisation hat die Möglichkeit, diese Vermutung der extremistischen Aktivität durch die Nennung in einem Verfassungsschutzbericht zu widerlegen. Dieser Weg wurde vom VVN-BdA unterdessen beschritten.

Die Berliner Steuerverwaltung hat den Vollzug des Steuerbescheides ausgesetzt. Das ist zunächst einmal eine gute Nachricht. Im Übrigen möchte ich Sie wissen lassen, dass das Bundesministerium der Finanzen die Berliner Steuerverwaltung in der Zwischenzeit um eine genaue Darstellung des Sachverhalts gebeten hat.

Ich hoffe diese Informationen waren hilfreich für Sie.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Bürgerreferat

Neuerscheinung: „Im Schutz von Adler und Schlange. Anna Seghers im mexikanischen Exil“ von Monika Melchert

Die Zeit, die ich in Mexiko verbrachte, gehört zu den schönsten und wichtigsten Abschnitten meines Lebens. Das Land, seine Menschen und Landschaften werden mir immer nahestehen.
(Anna Seghers)

Die Flucht aus dem von Hitlers Truppen besetzten Frankreich gelang in letzter Minute. Ende Juni 1941 erreichte Anna Seghers mit ihrer Familie nach langer, hindernisreicher Schiffsreise Mexiko. Hier, in ihrem zweiten Exilland, hat sie ihren größten literarischen Erfolg errungen, die Veröffentlichung des Romans Das siebte Kreuz, hier erlitt sie aber auch den tiefsten Schmerz, als sie erfuhr, dass ihre Mutter deportiert und ermordet worden war. Dazu kam ein beinah tödlicher Unfall, der ihr viel Kraft raubte und sie für Monate aufs Krankenlager warf. Die Ankunft in der Neuen Welt sicherte Anna Seghers und vielen ihrer engen Freunde das Überleben und brachte ihnen die Begegnung mit einer für sie gänzlich neuen Kultur, einer farbenfrohen und temperamentvollen tropischen Welt. Mexiko, dessen Wappensymbole Adler, Schlange und Kaktus sind, hatte zahllosen Emigranten großzügig seine Tore geöffnet und ihnen uneingeschränkte Möglichkeiten gegeben, ihre berufliche, ihre künstlerische Arbeit fortzusetzen. In Mexiko beendete Anna Seghers ihren weltberühmten Roman Transit und schrieb die wunderbare Erzählung Der Ausflug der toten Mädchen. Auch später, als sie längst wieder in Berlin lebte, kehrte sie in ihren Erzählungen gedanklich immer wieder nach Mexiko zurück.

Monika Melchert: Im Schutz von Adler und Schlange. Anna Seghers im mexikanischen Exil. 200 Seiten. 22 Abbildungen. Hardcover mit Schutzumschlag, Format: 12,5 x 20,5 cm. ISBN: 978-3-947215-84-3. € 20,00 (D) / € 20,50 (A). Lieferbar ab Juli 2020.

Die Unbeugsame. Olga Benario in ihren Briefen und aus den Akten der Gestapo

Anna Seghers schrieb 1951 einen kurzen Text über die Jüdin und Kommunistin Olga Benario. 1908 in München geboren war sie 1936, zusammen mit ihrem Mann, dem brasilianischen Revolutionär Luiz Carlos Prestes, im Kampf gegen die Diktatur in Brasilien verhaftet und bald danach an das nationalsozialistische Deutschland ausgeliefert worden. Prestes saß die folgenden neun Jahre in Brasilien in Einzelhaft. Im KZ Lichtenburg brachte Olga die gemeinsame Tochter zur Welt, Anita Leocádia, die 14 Monate später zu ihrer Großmutter nach Mexiko gebracht wurde.
In einem eindrucksvollen Hörbuch verdeutlichen Ute Kaiser, Gabriela Börschmann und Martin Molitor nun in einer schnörkellos-eindringlichen Montage von Briefen und Gestapoakten den grausamen Gegensatz zwischen der Welt der Opfer und der Täter. Dem warmen Ton der Briefe von Olga Benario und Luiz Carlos Prestes steht die kalte Diktion der nationalsozialistischen Bürokratie gegenüber. Olga Benario stirbt 1942 im KZ Ravensbrück. Anna Seghers schreibt über sie: „Sie hat dort bis zum letzten Atemzug ihre Kraft und Jugend für das gegeben, wofür sie gelebt hat.“

Nähere Informationen und Bestellung des Hörbuchs

Eine Rose für die Dichter 2020

Foto: Birgit Burmeister

Der deutschlandweit tätige Verein Literaturlandschaften ehrt jedes Jahr am ersten Juni-Wochenende Dichterinnen und Dichter mit der Aktion „Eine Rose für die Dichter“. 2020 war es Samstag, der 6. Juni, an dem sich wieder Mitglieder literarischer Vereine und Gesellschaften in ganz Deutschland an diesem literarischen Rosentag beteiligen. Auch die Anna-Seghers-Gesellschaft legte eine Rose am Grab ihrer Namensgeberin auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin nieder und bedankt sich bei dem Verein Literaturlandschaften für diese einzigartige Initiative.

Anna-Seghers-Preis 2020 für Ivna Žic und Hernán Ronsino

Den diesjährigen Anna-Seghers-Preis erhalten die kroatisch-schweizerische Autorin Ivna Žic und der Argentinier Hernán Ronsino. Die Preisverleihung findet am 20. November 2020 in der Berliner Akademie der Künste statt.

Der mit derzeit jeweils 12.500 Euro dotierte Preis wird von der Anna-Seghers-Stiftung an NachwuchsautorInnen aus dem deutschen Sprachraum und aus Lateinamerika verliehen, die im Sinne von Anna Seghers mit den Mitteln der Kunst zur Entstehung einer gerechteren menschlichen Gesellschaft beitragen. Die Auswahl der Preisträger übernehmen im jährlichen Wechsel von der Stiftung beauftragte Persönlichkeiten aus dem literarischen Leben.

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Gedenktafel für Lore Wolf in Frankfurt am Main

Gedenktafel für Lore Wolf in der Gerlachstraße 24 in Frankfurt am Main (Quelle: Wikimedia, Dieterwesp, CC BY-SA 4.0)

Seit dem 11. März 2020 erinnert am früheren Wohnhaus von Lore Wolf (1900-1996) eine Gedenktafel an die Widerstandskämpferin. Lore Wolf wohnte in der Gerlachstraße 24 im Stadtteil Höchst von 1924 bis 1934.
Die Frankfurterin und Anna Seghers lernten sich im Pariser Exil kennen und wurden lebenslange Freundinnen. Lore Wolf war schon in den 1920er Jahren gewerkschaftlich aktiv und engagierte sich bei den Naturfreunden. 1933 trat sie in die KPD ein und arbeitete für die ‚Rote Hilfe‘. Sie floh mit ihrer Tochter zunächst ins Saarland dann nach Paris. Dort gab sie Anna Seghers für den Roman „Das siebte Kreuz“ wichtige Hinweise in Bezug auf Frankfurt und tippte das Manuskript des Buches ab.
Nach 1945 war sie Mitbegründerin der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN). In Frankfurt wurde ihr 1991 die Johanna-Kirchner-Medaille verliehen, die nach einer Frankfurter Widerstandskämpferin benannt ist. Über ihre Biografie kann man in den Büchern „Ein Leben ist viel zu wenig“ sowie „Ich habe das Leben lieb. Tagebuchblätter aus dem Zuchthaus Ziegenhain“ mehr erfahren. Mit Anna Seghers blieb sie bis zu deren Tod (1983) in enger Verbindung.

„Der Weg führt nach St. Barbara.“ In Erinnerung an Sigrid Bock

Mit der Biographie „Der Weg führt nach St. Barbara. Die Verwandlung der Netty Reiling in Anna Seghers“ hatte Sigrid Bock ihr letztes großes Buch publiziert und in Mainz und an mehreren Orten in Rheinhessen erfolgreich vorgestellt. Dabei gelang ihr eine ganz eigene und sensible Annäherung an die junge Mainzerin Netty Reiling, die sich nach der Auszeichnung mit dem Kleist-Preis für ihre Meistererzählung „Aufstand der Fischer von St. Barbara“ zu der später weltbekannten Schriftstellerin Anna Seghers entwickelte. Leben und Werk von Anna Seghers waren einer der Schwerpunkte, mit denen sich Sigrid Bock zeit ihres Lebens wissenschaftlich und publizistisch beschäftigt hat. Sie war auch an der Gründung und der Arbeit der Anna-Seghers-Gesellschaft Berlin und Mainz e. V. und an der Herausgabe deren Jahrbuchs „Argonautenschiff“ federführend beteiligt. Der gesamte Nachruf auf Sigrid Bock von Hans Berkessel, erschienen in „Mainzer Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte 1/2020“, im PDF-Format.

„Katharina oder: Die Kunst Arbeit zu finden“ auf DVD erschienen

Vier Frauen suchen in schwierigen Zeiten Arbeit. Die Schriftstellerin Anna Seghers musste 1933 ins Exil nach Paris fliehen. Auf der Suche nach neuen Stoffen erinnerte sie sich dort an einen Zeitungsartikel über Maria Einsmann, die in Mainz viele Jahre unerkannt in Männerkleidern gearbeitet hatte. So entstand die Geschichte der Katharina Rendel, die nach dem Tod ihres Mannes seine Kleider anzieht, um Arbeit zu finden.

Katharina oder: Die Kunst Arbeit zu finden. Nach einem Drehbuch von Anna Seghers u.a. Länge: 80 Min. Zu bestellen bei: Barbara Trottnow Medienproduktion