Begegnung mit Anna Seghers

Zum diesjährigen UNESCO-Welttag des Buches erinnert die Anna-Seghers-Bibliothek im Linden-Center am Freitag, dem 29. April 2022, 19 Uhr an die große Schriftstellerin, deren Namen die Bibliothek seit ihrer Eröffnung im Januar 1986 trägt. Zu Gast sind zwei Künstlerinnen, die sich auf unterschiedliche Weise mit Leben und Werk von Anna Seghers beschäftigt haben und an diesem Abend zum ersten Mal gemeinsam auf der Bühne stehen.

Anna Faroqhi, Filmemacherin und Zeichnerin, erzählt in der Graphic Novel „Andersdenkerinnen“ die Lebens- und Fluchtgeschichten von drei jüdischen intellektuellen Frauen, die im Deutschland unter den Nationalsozialisten nicht leben konnten. Auch das Schicksal von Anna Seghers erschließt sich hier aus der Perspektive von jungen Menschen der Gegenwart. Die Graphic Novel über die Macht des Wortes, die Folgen erzwungener Migration und den Wert von Freiheit und Individualität ist gerade im bebra-Verlag erschienen und wird in Bild und Text präsentiert.
Die Schauspielerin und Sprecherin Inga Bruderek widmet sich vor allem den Frauengestalten in Anna Seghers Werk und liest aus  Erzählungen wie „Der Ausflug der toten Mädchen“, „Das Schilfrohr“ und anderen. Sie erzählen von ihrem Hunger auf Leben und von der Sehnsucht nach Glück, vom Mut, menschlich zu sein und sich selbst treu zu bleiben. Es sind Geschichten von Frauen, die in der Kraft der Schwachen ihre Würde bewahren, auch wenn sie vom politischen Terror ihrer Zeit zerrieben werden.

Die Lesung wird unterstützt von der HOWOGE Wohnungsbaugesellschaft mbH, für deren Mieter*innen Freikarten zur Verfügung stehen. Der reguläre Eintritt beträgt 4, mit gültigem Bibliotheksausweis 3 Euro. Die Platzkapazität ist begrenzt und abhängig von den dann gültigen Regelungen der Infektionsschutzverordnung.  Vorverkauf und Anmeldung starten am 08. April 2022.

Anna-Seghers-Bibliothek Im Linden-Center
Prerower Platz 2, 13051 Berlin
Öffnungszeiten

Montag, Dienstag, Mittwoch    13.00-19.00 Uhr
Donnerstag, Freitag                  9.00-18.00 Uhr
Samstag                                   9.00-13.00 Uhr

Weitere Informationen finden sich hier.

Stellungnahme des Vorstands der Anna-Seghers-Gesellschaft zum Krieg in der Ukraine

Für eine neue Entspannungspolitik – Stellungnahme des Vorstands der Anna-Seghers-Gesellschaft zum Krieg in der Ukraine

 

 

 

 

 

 

Die Schriftstellerin Anna Seghers hat sich zeit ihres schriftstellerischen Schaffens für ein friedliches Leben eingesetzt. Sie hat 1935 im Exil in Frankreich, als Hass und Ausgrenzung einen drohenden Krieg in Europa beschworen, in ihrer Rede „Vaterlandsliebe“ über den Zusammenhang von Nation und Krieg nachgedacht:

„Wir haben in dieser Zeitenwende, die wir, wie kaum eine Nation die ihre, mit qualvoller Bewusstheit erleben, Menschen um Ideen wie um Fahnen bis zum Zerfetzen kämpfen sehen. Vielleicht ist um keine Idee raffinierter und trivialer geschriftstellert worden, als um die: Vaterland.“ (Vaterlandsliebe. Rede auf dem I. Internationalen Schriftstellerkongreß zur Verteidigung der Kultur 1935)

Auch nach dem 2. Weltkrieg, als sich die Deutschen in konträren Blöcken wiederfanden und der Kalte Krieg in den 1950er- und 1960er-Jahren immer wieder in heiße Konflikte mündete, hat sich Anna Seghers in vielfältiger Weise für die Sicherung des Friedens engagiert, arbeitete im Weltfriedensrat mit und nahm damit ihre Arbeit wieder auf, die sie schon 1932 zum Antikriegskongress in Amsterdam geführt hatte. So war sie 1950 an der Ausarbeitung des „Stockholmer Appells“ beteiligt. Nachdem sich nach den verheerenden Folgen des ‚konventionellen’ Krieges auch noch die Zerstörungskraft der Atomwaffe gezeigt hatte, sollte in dem Appell diese Waffe verboten und geächtet werden. Weltweit haben ihn damals 500 Millionen Menschen unterschrieben.

Vor dem Hintergrund der Eskalation in der Ukraine, befeuert durch den Angriff der Truppen der Russischen Föderation, droht in Europa eine Ausdehnung des Krieges, was noch mehr Tod und Leid bringen würde.

Wir fordern umgehend eine Rückkehr aller Beteiligten an den Verhandlungstisch. Mittel- und langfristig lassen sich die auf unterschiedlichen Interessen und Interpretationen der Geschichte beruhenden Konflikte nur durch eine weltweite, neue und entschiedene Entspannungspolitik eingrenzen. Dabei muss die langfristige Sicherung des friedlichen Zusammenlebens der Völker im Mittelpunkt stehen. Friedlicher Handel und kultureller Austausch waren nie ein Kriegsgrund. Dauerhaften Frieden in Europa und anderen Regionen dieser Welt wird es nur geben, wenn Großmachtstreben, Nationalismus, Chauvinismus und Autoritarismus in allen Ländern überwunden werden.

Als 1949 der „Weltkongress der Kämpfer für den Frieden“ in Paris und Prag stattfand, wurde die Taube Pablo Picassos zum Symbol für den Frieden. Anna Seghers schrieb dazu in ihrem Text Die Taube:

„Die sichtbare Welt ist nicht abstrahiert in diesem Bild von Picasso, sie ist nicht auf eine Formel gebracht – das Umgekehrte ist hier geschehen. Was ein Symbol ist, wird wieder zu einer ‚richtigen‘ Taube mit Schnabel und Federn. Wenn sich die Gedanken aller friedlichen Menschen, die in allen Städten und Dörfern daran vorbeigehen, in die graue Morgenluft einzeichnen und miteinander verbinden könnten, dann würden sie ein dichtes und zähes Gewebe um den Erdball knüpfen.“

Berlin und Mainz, 14. März 2022

 

Neues im Anna-Seghers-Museum

Ab Mai 2022 werden in den ehemaligen Wohn- und Arbeitsräumen Sonderführungen zu unterschiedlichen Themen angeboten. Dies sind die nächsten Termine:

17.5., 14 Uhr
„Überfahrten – Anna Seghers Reisen nach Brasilien 1961 und 1963 und ihre Freundschaft mit Zélia Gattai und Jorge Amado“

19.5., 14 Uhr
„Wie Netty Reiling zu Anna Seghers wurde“

21.6., 14 Uhr
„Anna Seghers im Kreis ihrer Freundinnen“

Weitere Informationen finden sich hier auf der Homepage der Akademie der Künste.

„En transit“ in der Comédie de Genève

Frei nach dem Roman Transit von Anna Seghers findet am 23.02.2022 eine Uraufführung an der Comédie de Genève statt.

2018 wurde der iranische Regisseur Amir Reza Koohestani, der auch bereits beim letztjährigen Kunstfest Weimar eine Bühnenadaption zeigte, auf einer Reise nach Chile von der Grenzpolizei am Münchner Flughafen in Gewahrsam genommen und anschließend nach Teheran zurückgeschickt. Der Grund für die Strafe war ein 5 Tage zu langer Aufenthalt im Schengen-Raum. Inspiriert von diesem Missgeschick zeigt En transit eine Schauspielerin – ein Alter Ego von Amir – die während ihrer Inhaftierung am Flughafen Transit von Anna Seghers liest, einen Roman über Exilanten während des Zweiten Weltkriegs, mit der Absicht, daraus eine Bühnenadaption zu machen.

Weitere Informationen finden sich hier.

Vorschau – „Transit“ im Theater Oberhausen

 

 

Am 06.05.2022 wird die dramatische Bearbeitung von Anna Seghers‘ Roman „Transit“ am Theater Oberhausen Premiere feiern. Regie wird der Berliner Regisseur Hakan Savaş Mican führen, der unter anderem seit 2013 Hausregisseur am Berliner Maxim Gorki Theater ist.

Hörspiel im Deutschlandfunk – „Der Ausflug der toten Mädchen“

 

 

 

 

Voraussichtlich am 14.05.2022 um 20.05 Uhr wird in der Sendung Hörspiel vom Deutschlandfunk das Hörspiel nach Anna Seghers‘ Erzählung „Der Ausflug der toten Mädchen“ (ur-)gesendet. Die Produktion unter der Leitung von Anna Panknin ist aus diesem Jahr und wird eine Spielzeit von 60 Minuten haben.

Aus dem Ankündigungstext:

„Anna Seghers‘ 1943 entstandene Erzählung „Der Ausflug der toten Mädchen“ gilt nicht nur als eines der Meisterwerke deutschsprachiger Literatur, sie ist auch das persönlichste Werk der Autorin, gewidmet ihrer im Ghetto getöteten Mutter und reich an autobiografischen Bezügen. Die Erzählerin – wie Seghers im mexikanischen Exil und noch geschwächt von den schweren Folgen eines Autounfalls – erinnert sich in einer Art Schwebezustand zwischen Traum und Realität an einen fröhlichen Schulausflug aus dem Jahr 1912 und an die Geschicke der Klassenkameradinnen bis in den Zweiten Weltkrieg hinein. Sie ist dabei zugleich allwissende Beobachterin und als Schulmädchen Netty Teil der Handlung. Dem heiteren Ausflugsgeschehen wird in einer kunstvoll verwobenen Gleichzeitigkeit von Bewusstseinsebenen, von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft das Unheil der folgenden Jahrzehnte gegenübergestellt. Anhand der unterschiedlichen Biografien von späteren Opfern, Täter- und Mitläuferinnen zeichnet Seghers exemplarisch ein Spiegelbild der deutschen Bevölkerung und widmet sich, wie schon in ihrem berühmten Roman „Das siebte Kreuz“, dem Geheimnis des Widerstandes – der Frage, was Menschen dazu befähigt, in einem inhumanen Alltag ihre Menschlichkeit zu bewahren.“

Weitere Informationen finden sich hier.

 

Lesung im mdr Kultur – Aufstand der Fischer von St. Barbara

 

 

 

 

 

Ab dem 14.02.2022 sendet der mdr Kultur eine siebenteilige Lesung vom „Aufstand der Fischer von St. Barbara“ in der Sendung mdr Kultur – Lesezeit. Die Produktion von 2008 wurde von Matthias Thalheim geleitet. Sprecherin ist Ulrike Krumbiegel.

Weitere Informationen finden sich hier.

#annasegherslesen – Anna Seghers Buchclub virtuell – 2022

Liebe Mitglieder und Anna Seghers-Lesende,

ins Neue Jahr geht es nicht selten mit guten Vorsätzen und dem Wunsch, sich mehr Schönes zu gönnen. Besonders zu Beginn dieses Jahres 2022 begleitet uns erneut die Hoffnung, der Weg möge uns nun aus der Pandemie heraus und wieder hin zu einigen lieben Gewohnheiten führen.

Für die ASG sind das z.B. die jährlichen Treffen, aber auch Veranstaltungen, Lesungen, Theaterbesuche und ähnliche Anlässe. Im letzten Jahr ist – den derzeitigen Umständen folgend – der Anna Seghers Buchclub hinzugekommen. Alle sechs Wochen treffen wir uns freitags um 19.00-20.30 Uhr, um uns v.a. Dingen mit den kürzeren Erzählungen unserer Autorin zu befassen. „Die Toten auf der Insel Djal“ und „Grubetsch“ waren gleich zu Beginn Thema, überraschende Zusammenhänge ergaben sich aus „Der letzte Mann der ‚Höhle‘ “, die „Die Wellblechhütte“ wirkte – bei gemeinsamer Annäherung – nicht mehr ganz so unzugänglich…

Auch in diesem Jahr werden wir weiterlesen und freuen uns über neue Mitlesende.

Am 14. Januar 2022 gibt es zunächst einen Sondertermin zum Roman „Der Kopflohn“, zu dem wir Carsten Jakobi als Gast gewinnen konnten. Gemeinsam mit Ute Brandes besorgte er die Bandbearbeitung des Romans, der im November im Rahmen der Werkausgabe im Hause Aufbau erschienen ist. Ab 19.30 Uhr diskutieren wir mit ihm den „Roman aus einem deutschen Dorf im Spätsommer 1932“.

Bei Interesse schreiben Sie bitte eine E-Mail an buchclub@anna-seghers.de. Anschließend erhalten Sie die Zugangsdaten zum Onlinetreffen zugeschickt.

Weitere Termine stehen bereits fest:

Dota Kehr liest Anna Seghers

Die Sängerin Dota Kehr über den Roman »Das siebte Kreuz« von der Schriftstellerin Anna Seghers: »Der Roman ist nicht nur spannend, er ist auch poetisch und unglaublich gut verdichtet. Es ist kein Wort zu viel.«

Im Online-Magazin der Wochenzeitung DIE ZEIT findet sich in der Ausgabe vom 23. Dezember 2021 eine beachtenswerte Leseempfehlung. Die Sängerin Dota Kehr, die 2020 durch Vertonungen von Mascha Kaléko-Gedichten auf sich aufmerksam machte, äußert sich sehr lobend über Anna Seghers’ Roman Das siebte Kreuz. Sie erzählt auch, wie sie auf dieses Buch stieß: »Ich selbst habe in meiner Schulzeit nichts von diesem Roman gehört, sondern bin damit in Berührung gekommen, weil ich sehr gerne Christa Wolf lese. In Christa Wolfs tagebuchähnlichem Ein Tag im Jahr erwähnt sie Anna Seghers – zu dieser Zeit Präsidentin des DDR-Schriftstellerverbandes – und Das siebte Kreuz mit so viel Ehrerbietung, dass es mich neugierig gemacht hat.« Den gesamten Text kann man hier lesen.

Mehr zur CD von Dota Kehr über Mascha Kaléko findet man hier.

 

Zum Tod von Pierre Radvanyi

Anzeige in der Allgemeinen Zeitung Mainz