Zum Tod von Prof. Dr. Eva Kaufmann

Prof. Dr. Eva Kaufmann (Foto: Bernd Lasdin)

Prof. Dr. Eva Kaufmann (Foto: Bernd Lasdin)

Die Anna-Seghers-Gesellschaft Berlin und Mainz e.V. trauert um ihr Gründungsmitglied, die Literaturwissenschaftlerin Prof. Dr. Eva Kaufmann, die am 18. Juli in Berlin nach einem erfüllten Leben gestorben ist. 1930 in Berlin geboren, bekam sie 1951 die Möglichkeit, an der Arbeiter-und-Bauern-Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin (HUB) die Hochschulreife zu erwerben, Germanistik zu studieren und – nach Tätigkeiten an der Akademie der Wissenschaften Berlin und der Friedrich-Schiller-Universität Jena sowie akademischen Auslandsaufenthalten – 1975 als Dozentin an die HUB zurückzukehren. Dort wurde sie 1977 zur ordentlichen Professorin für Neuere Deutsche Literatur berufen.

Ihre Promotion über Arnold Zweig und zahlreiche, literaturgeschichtlich und thematisch weit gefächerte Publikationen weisen sie als politisch-ambitionierte, unbestechliche Wissenschaftlerin aus. Titel wie ’Als ganzer Mensch leben’ – Lebensansprüche ostdeutscher Frauen (1997) und Aussichtsreiche Randfiguren (2000) sind Ausdruck ihres international anerkannten Engagements, mit dem sie sich als eine der ersten DDR-Germanistinnen den schreibenden Frauen widmete: von Anna Seghers über Christa Wolf, Irmtraud Morgner, Brigitte Reimann, Gerti Tetzner, Christa Müller und Helga Königsdorf bis zu Brigitte Burmeister, Brigitte Struzyk, Kerstin Hensel und anderen, insbesondere der jungen Autorinnengeneration vorurteilslos und aufgeschlossen begegnend.

Zahlreiche Aufsätze im Argonautenschiff, dem Jahrbuch der Anna-Seghers-Gesellschaft, zeigen ihren ganz eigenen, originellen Zugang zum Seghers’schen Werk: Vertrackte Geschichten (1993) interessierten sie, die Schöne Räubergeschichte von Woynok und Gruschek (1996), Seghers’ Frauenbilder und der ihr unterstellte männliche Blick (1996), und der im Tagebuch der jungen Netty Reiling formulierte Anspruch, „nicht ohne Freude leben“ zu können (2003). Zeugnis ihrer wissenschaftlichen Expertise ist auch der von Eva Kaufmann betreute Band Erzählungen 1967-1980 im Rahmen der historisch-kritischen Seghers-Werkausgabe, die seit dem Jahr 2000 beim Aufbau Verlag Berlin erscheint.

Eva Kaufmann genoss großes Ansehen, sowohl in der Berliner „Weiberrunde“ um Christa Wolf, in der sie als Literaturwissenschaftlerin mitwirken durfte, als auch in der Brigitte-Reimann-Gesellschaft, die sie als Gründungsmitglied ermutigte und unterstützte.

Sie wird uns fehlen: als couragierte Mitstreiterin in der Anna-Seghers-Gesellschaft, als verlässliche Gefährtin, unaufdringliche Ratgeberin und liebenswerte Freundin.

Die Trauerfeier mit anschließender Urnenbeisetzung findet am Mo., den 26.08.19, um 12 Uhr auf dem Friedhof Greifswalder Straße 229 in 10405 Berlin statt.

Im Namen des Vorstands der Anna-Seghers-Gesellschaft Berlin und Mainz e.V.

Ursula Elsner