„Was jetzt geschieht, geschieht uns“ – „Das siebte Kreuz“ in Frankfurt am Main

Cover Programmheft

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Im Schauspiel in Frankfurt/M. fand am 27. Oktober 2017 die Premiere der Bühnenfassung des Romans „Das siebte Kreuz“ von Anna Seghers statt, die von Sabine Reich erarbeitet wurde. Regie führte der neue Intendant Anselm Weber.

Das Premierenpublikum erlebte einen höchst intensiven Theaterabend, zwei Stunden ohne Pause – im Wesentlichen der Text von Anna Seghers (natürlich in komprimierter Form). Das Bühnenbild ist schwarz, die Bühne leer, im Vordergrund (auf einem Podest) agieren die jeweiligen Schauspielerinnen und Schauspieler, die anderen sitzen im Hintergrund in einem angedeuteten Graben, nichts lenkt vom Text und dessen Kraft sowie den Darbietenden ab.

Gliederungsprinzip sind die sieben Tage der Flucht, der jeweilige Wochentag wird eingeblendet. Eröffnet wird jede Szene mit einem Lied aus der ‚Winterreise‘ von Franz Schubert („Fremd bin ich eingezogen, Fremd zieh‘ ich wieder aus.“), vorgetragen von dem dunkelhäutigen Bassbariton Thesele Kemane aus Südafrika. Die Person Georg Heislers steht, vor allem im ersten Teil, im Vordergrund, im zweiten Teil geht es stärker um die Helferinnen und Helfer. Die sechs Akteure (Max Simonischek, Christoph Pütthoff, Wolfgang Vogler, Michael Schütz, Paula Hans und Olivia Grigolli) spielen in ihren diversen Rollen allesamt großartig, sie treten häufig (mit großer sprachlicher Perfektion) als Chor auf, kommentieren, erklären und geben Heisler Ratschläge, was er tun soll. Das Motto, mehrfach wiederholt, lautet: „Was jetzt geschieht, geschieht uns.“

Nach dem Ende gab es 15 Minuten lange Ovationen für alle Schauspielerinnen und Schauspieler. Max Simonischek und Thesele Kemane wurden besonders gefeiert. Ein Besuch der Aufführung ist absolut empfehlenswert.

Hans-Willi Ohl, Vorsitzender der Anna-Seghers-Gesellschaft

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