Erzählte Kulturgeschichten Matinee-Reihe von und mit Matthias Wegner – Barbara Auer präsentiert Anna Seghers

Anna Seghers (1900 – 1983) zählt zu den Klassiker*innen der deutschsprachigen Moderne. Ihre Figuren und Bilder prägen sich unvergesslich ein. Sie ist unfreiwillig weit gereist, von Mainz, wo sie geboren wurde, bis Mexiko, von Marseille bis Haiti. Unter ihren zahlreichen Romanen ragen besonders ›Das siebte Kreuz‹, schon zu ihren Lebzeiten in Hollywood mit Spencer Tracy verfilmt, und ›Transit‹, verfilmt von Christian Petzold, heraus. Zu ihren biographisch grundierten Meistererzählungen gehört ›Der Ausflug der toten Mädchen‹, in dem sich die reinigende Kraft der Niederlage, die Brüchigkeit aller Solidarität, der Glaube an den Sinn der Revolte zu einer berührenden Geschichte von außerordentlicher Kraft und Dramatik verbinden. Die Lebensgeschichte dieser Autorin pendelt zwischen Abenteuer und Erstarrung, ihre Menschlichkeit wurde oft auf harte Proben gestellt. Es mangelte ihr nicht an Bewunderern und Feinden, an glücklichen Rettungen und tödlichen Gefahren.

Die Vorstellung findet am Sonntag 20.06.2021 im Ernst Deutsch Theater Hamburg statt (als Ersatztermin für den 21.03.21). Weitere Informationen finden sich hier.

 

„Transit“ im Thalia Theater Hamburg

In der kommenden Spielzeit 2021/22 wird der Regisseur und Drehbuchautor Amir Reza Koohestani „Transit“ zusammen mit seinem Co-Autor Keyvan Sareshteh Anna Seghers „Transit“ auf die Bühne bringen. In einer Koproduktion mit dem Kunstfest Weimar liest der international arbeitende iranische Regisseur den Roman vor dem Hintergrund persönlicher Erfahrungen. Weil die Pandemie reale Begegnungen immer mehr in den virtuellen Raum verlegt hat, wird das rettende Botschaftsgebäude bei Koohestani endgültig zur Black Box. Seine drei in existentielle Not geratenen Liebenden verlieren sich in einem anonymen, kafkaesken System, das im Kontakt mit dem realen Menschen versagt. Dem individuellen Schicksal gegenüber ist man blinder denn je.

Tausende suchen einen Weg heraus aus Europa, kämpfen um Visa und Transits und hoffen verzweifelt, mit einer der wenigen Schiffspassagen dem Krieg zu entkommen. Unter ihnen ein junger Deutscher: Mit falschen Papieren aus einem Arbeitslager geflohen, strandet er im überfüllten Marseille. Hier trifft er Marie und ihren Liebhaber, einen Arzt. Die junge Frau ist auf der Suche nach ihrem Mann, von dem sie beim Einmarsch der Deutschen in Paris getrennt wurde. Er ist ihr Garant für das rettende Visum, solange sie ihn nicht findet, kann sie Marseille nicht verlassen. Noch weiß sie nicht, dass er nicht mehr lebt — und ausgerechnet jener junge Flüchtling, der in sie verliebt ist, per Zufall die Identität des Toten angenommen hat. Anna Seghers, 1941 selbst über Marseille nach Mexiko geflohen, erzählt in ihrem berühmten Exil-Roman eindrücklich von ihren Erlebnissen mit jenem Transitzustand, der heute für Millionen von Menschen bittere Lebensrealität ist.

Mehr Informationen finden sich hier. 

 

 

 

 

 

„Kein Transit ins gelobte Land“ – Dokumentation über Anna Seghers im SWR

In der Mediathek des SWR ist ein halbstündiger Film von Andreas Berg zu finden, der sich der Person und dem Schaffen von Anna Seghers widmet. Zu Wort kommen neben Dr. Pierre Radvanyi, Anja Kupfer und Hans Berkessel auch Dr. Carsten Jakobi von der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz und die Lektorin Nele Holdack vom Aufbau Verlag Berlin. Auf der Suche nach der Anna Seghers abseits aller Klischees, wird hier  die bedeutende deutschsprachige Erzählerin näher beleuchtet werden.

Zur Dokumentation geht es hier.

Zweites Treffen des virtuellen Buchclubs – „Grubetsch“

Ich habe einiges von Anna Seghers gelesen, aber ich möchte gern noch mehr kennenlernen.‟

Ich müsste diesen oder jenen Text von Anna Seghers auch mal wieder lesen.‟

Ich habe bisher überhaupt nichts von Anna Seghers gelesen, würde es aber gern tun.‟

Kommen Ihnen diese oder ähnliche Gedanken bekannt vor? Uns auch. Nicht zuletzt in der Anna Seghers-Gesellschaft ist es ein häufig gezogenes Fazit:

Anna Seghers sollte (wieder) mehr gelesen werden!‟

Dieses Anliegen haben wir nun mit den Erfahrungen des vergangenen Jahres zusammengebracht und beschlossen, den Anna Seghers-Buchclub virtuell ins Leben zu rufen. Unser Ziel ist es – online – Menschen zusammenzubringen, deren gemeinsames Interesse darin besteht, sich ganz bewusst Zeit für die Seghers-Lektüre zu nehmen, sich das Werk der Schriftstellerin im Gespräch mit anderen Leserinnen und Lesern zu erschließen und sich darüber auszutauschen.

Neben neun Romanen darunter der sicher berühmteste „Das siebte Kreuz‟, hat Anna Seghers über 60 kürzere Erzählungen geschrieben und veröffentlicht, in denen eine beeindruckende Formenvielfalt und Bandbreite ästhetischer Gestaltungsmittel zu finden ist. Einige ihrer kürzeren Texte mögen sehr bekannt sein, andere hingegen nicht. Aus diesem Grund möchten wir uns – mit dem umfangreichen Werk von Erzählungen in der Chronologie ihres Erscheinens (1924–1980) auseinandersetzen.

Hiermit laden wir Leserinnen und Leser zu unserem zweiten Treffen am

Freitag, den 21. Mai 2021 von 19.00–20.30 Uhr ein.

Wir lesen und besprechen:

„Grubetsch“ (1926/27).

Um Ihnen den Zugangslink für die Teilnahme zusenden zu können, ist die Anmeldung unter buchclub@anna-seghers.de erforderlich.

Wir freuen uns auf einen lebhaften Austausch. Eigene Lektüreeindrücke, Wahrnehmungen, Fragen aller Art – zum Text selbst, zu den Kontexten oder zur Autorin – sind dabei ausdrücklich erwünscht!

Der Vorstand der Anna-Seghers-Gesellschaft Berlin und Mainz e.V.

* Alle Texte befinden sich sowohl in der Werkausgabe des Aufbau-Verlags (Bd. II/1-6) als auch in der Sammlung „Sämtliche Erzählungen‟ (AtV, 1994). Sollten Sie dazu Hilfe benötigen, wenden Sie sich gern ebenfalls an buchclub@anna-seghers.de

Monika Melchert im Literatursalon am Weißen See

Am Donnerstag, 20. Mai 2021 um 19.30 Uhr findet die fünfte Ausgabe vom Literatursalon am Weißen See statt. Zu Gast sind die Berliner Autorin und Literaturwissenschaftlerin Monika Melchert und der Berliner Lyriker und Übersetzer Ron Winkler. Monika Melchert liest aus ihrem Buch über Anna Seghers in Mexiko „Im Schutz von Adler und Schlange. Anna Seghers im mexikanischen Exil“ und spricht darüber auch mit Gastgeber Martin Jankwoski.

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Veranstaltung wird live aus dem Bildungs- und Kulturzentrum Peter Edel gestreamt und ist bei Youtube abzurufen.
Zur Veranstaltung geht es hier.

„Na ja, wir tauschten uns auch aus über Kochrezepte und ähnliches.“ – Zum Tod von Ruth Hildebrand (1923 – 2021)

Von 1963 bis zum Tod von Anna Seghers im Jahr 1983 arbeitete Ruth Hildebrand als deren Sekretärin und tippte für die Schriftstellerin Briefe und literarische Texte ins Reine. In einem Interview aus dem Jahr 2009 (abgedruckt im Argonautenschiff 18/2009, S, 231-235) hat sie über diese Zusammenarbeit und den Tagesablauf mit der bekannten Schriftstellerin berichtet. Auch von Seghers auf der Maschine geschriebene Texte habe sie noch einmal abschrieben müssen, denn Anna Seghers sei, wie es ihr Mann Laszlo Radvanyi formuliert habe, „die Erfinderin der unleserlichen Schreibmaschinenschrift“ gewesen. Sie half ihr bei Recherchen für ihre Bücher und machte zusätzlich Besorgungen im Alltag.

In der Mittagspause seien sie häufig gemeinsam in Adlershof spazieren gegangen und hätten sich dabei auch über Alltägliches und Persönliches ausgetauscht. Ihr Verhältnis war von wechselseitigem Respekt geprägt: „Anna Seghers hat auch akzeptiert, wenn ich einmal anderer Meinung war als sie. Sie wollte gar nicht, dass man immer ja sagt. Wir haben uns vertraut. Die Chemie stimmte einfach.“

Die Texte Sonderbare Begegnungen und Die Reisebegegnung hätten ihr besonders gut gefallen: „Wie sie das Unmögliche einer solchen Begegnung aufhebt, das konnte sie und machte es so einfach und einleuchtend. Das bewundre ich an ihr.“

Als Seghers am Ende ihres Leben schwer krank wurde, hat sie sie im Pflegeheim am Müggelsee besucht und mit dem Rollstuhl umhergefahren. Die 20 Jahre mit Anna Seghers seien eine „gute Zeit“ gewesen „mit vielen interessanten Erlebnissen“.

Am 1. Mai ist Ruth Hildebrand, die seit ihrem vierten Lebensjahr in Berlin-Adlershof lebte, im Alter von 98 Jahren gestorben.

Wir lesen aus verbrannten Büchern – Das siebte Kreuz

Zum 10. Mai, dem Jahrestag der Bücherverbrennung 1933, stellt die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten Frankfurt/M. in verschiedenen Lesungen Auszüge aus Büchern von verfolgten und verfemten Autorinnen und Autoren vor. Sabine Baumann, die Vorsitzende des Vereins ‚Frankfurt liest ein Buch‘, wird dabei einen Abschnitt aus dem Roman ‚Das siebte Kreuz‘ von Anna Seghers lesen. Sie erinnert damit auch daran, dass Anna Seghers und ihr Roman im April 2018 im Mittelpunkt des sehr erfolgreichen Lesefestes in Frankfurt/M. und auch in Mainz standen.
Hier findet ihr den Link zur Seite des VVN-BdA: https://frankfurtmain.vvn-bda.de/wir-lesen-aus-den-verbrannten-buechern/.

Trauer um Walter Kaufmann (19. Januar 1924 – 15. April 2021)

Die Anna-Seghers-Gesellschaft Berlin und Mainz trauert um ihr Gründungsmitglied, den Schriftsteller Walter Kaufmann, der am 15. April in Berlin gestorben ist.

Walter Kaufmann (© Rebekka Kaufmann)

Sein Leben, das ihn, den jüdischen Emigranten, während der nationalsozialistischen Terrorherrschaft nach England und Australien führte, ist ein aufregender Roman. Als junger Mann begann er zu schreiben und hat in seiner jahrzehntelangen Arbeit als Reporter und Schriftsteller weit mehr als 30 Bücher veröffentlicht.

Mit Walter Kaufmann verlieren wir einen guten Freund, einen politisch engagierten Zeitgenossen und liebenswerten Menschen. Besonders gern stellte er seine neuen Bücher im „Literarischen Salon bei Anna Seghers“ vor. So las er dort in der Adlershofer Wohnung u. a. aus seinen letzten Büchern wie Im Fluss der Zeit (2010), Schade, dass du Jude bist. Kaleidoskop eines Lebens (2013), Meine Sehnsucht ist noch unterwegs (2015) und Die meine Wege kreuzten. Begegnungen aus neun Jahrzehnten (2018).

Walter Kaufmann war in den 1990er-Jahren Vorstandsmitglied der Anna-Seghers-Gesellschaft sowie der Anna Seghers-Stiftung. Im Jahrbuch Argonautenschiff finden sich mehrfach Würdigungen seiner Neuerscheinungen (vgl. Argonautenschiff 2018 und 2020).

Wir werden Walter Kaufmann stets ein ehrendes Andenken bewahren.

Ein ausführlicher Nachruf folgt im Argonautenschiff 29/2021.

 

 

 

 

Gefahrgut – Transporte auf dem Rhein 1933

Brigitte und Gerhard Brändle: Gefahrgut – Transporte auf dem Rhein 1933

Die Dokumentation in der Form einer Reise auf dem Rhein ist der Versuch, eine Lücke in der Erforschung des Widerstands zu schließen. Der Rhein ist von Basel bis fast Karlsruhe die Grenze zwischen Baden und dem Elsass, zwischen Deutschland und Frankreich.

Menschen, die vor Verfolgung fliehen müssen, brauchen einen Fischer, der sie außer Landes bringt, ein Paddelboot, um ans rettende Ufer zu gelangen, oder – wie Georg Heisler in Anna Seghers’ Roman Das siebte Kreuz – einen Lastkahn, der in die Niederlande oder nach Basel fährt. Manche sind 1936 auf dem Weg nach Spanien, um dort für die durch den Militärputschisten Franco bedrohte Republik zu kämpfen.

Der Rhein als Wasserweg des Widerstands ist v.a. auch ein Transportweg für Anti-Nazi-Schriften, die von Rheinschiffern auf Lastkähnen aus Holland, Frankreich oder der Schweiz in verschiedene Häfen entlang des Rheins und seiner Nebenflüsse geschmuggelt werden. WassersportlerInnen, Hafenarbeiter oder Fischer übernehmen die brisante Fracht und sorgen für die Verteilung an Widerstandsgruppen, in der Mehrzahl klandestine Zirkel von GewerkschafterInnen und/oder KommunistInnen sowie auch AnarchistInnen, SozialdemokratInnen oder SozialistInnen. Bisher wurden 103 widerständige Menschen gefunden, darunter über 20 % Frauen, sie erhalten nicht nur ihren Namen, verbunden mit kurzen Angaben zur Person, sondern oft auch ein Gesicht.

Karten der „Reise“-Route von der niederländischen Grenze bis Basel, zahlreiche Abbildungen, Worterklärungen sowie ein ausführliches Literaturverzeichnis laden zum Weiterlesen und vielleicht Weiterforschen ein.

Den Link zum Text finden Sie hier.

Anna Seghers Buchclub

Ich habe einiges von Anna Seghers gelesen, aber ich möchte gern noch mehr kennenlernen.‟

Ich müsste diesen oder jenen Text von Anna Seghers auch mal wieder lesen.‟

Ich habe bisher überhaupt nichts von Anna Seghers gelesen, würde es aber gern tun.‟

Kommen Ihnen diese oder ähnliche Gedanken bekannt vor? Uns auch. Nicht zuletzt in der Anna Seghers-Gesellschaft ist es ein häufig gezogenes Fazit:

Anna Seghers sollte (wieder) mehr gelesen werden!‟

Dieses Anliegen haben wir nun mit den Erfahrungen des vergangenen Jahres zusammengebracht und beschlossen, den Anna Seghers-Buchclub virtuell ins Leben zu rufen. Unser Ziel ist es – online – Menschen zusammenzubringen, deren gemeinsames Interesse darin besteht, sich ganz bewusst Zeit für die Seghers-Lektüre zu nehmen, sich das Werk der Schriftstellerin im Gespräch mit anderen Leserinnen und Lesern zu erschließen und sich darüber auszutauschen.

Neben neun Romanen darunter der sicher berühmteste „Das siebte Kreuz‟, hat Anna Seghers über 60 kürzere Erzählungen geschrieben und veröffentlicht, in denen eine beeindruckende Formenvielfalt und Bandbreite ästhetischer Gestaltungsmittel zu finden ist. Einige ihrer kürzeren Texte mögen sehr bekannt sein, andere hingegen nicht. Aus diesem Grund möchten wir uns – mit dem umfangreichen Werk von Erzählungen in der Chronologie ihres Erscheinens (1924–1980) auseinandersetzen.

Hiermit laden wir Leserinnen und Leser zu unserem ersten Treffen am

9. April 2021 von 19.00–20.30 Uhr ein.

Wir lesen und besprechen:

Die Toten auf der Insel Djal‟ (1924).

Um Ihnen den Zugangslink für die Teilnahme zusenden zu können, ist die Anmeldung unter buchclub@anna-seghers.de erforderlich.

Wir freuen uns auf einen lebhaften Austausch. Eigene Lektüreeindrücke, Wahrnehmungen, Fragen aller Art – zum Text selbst, zu den Kontexten oder zur Autorin – sind dabei ausdrücklich erwünscht!

Der Vorstand der Anna-Seghers-Gesellschaft Berlin und Mainz e.V.

Am 21. Mai 2021 geht es dann weiter mit:

„Grubetsch‟ (1926/1927)

* Alle Texte befinden sich sowohl in der Werkausgabe des Aufbau-Verlags (Bd. II/1-6) als auch in der Sammlung „Sämtliche Erzählungen‟ (AtV, 1994). Sollten Sie dazu Hilfe benötigen, wenden Sie sich gern ebenfalls an buchclub@anna-seghers.de