Zum Tode von Sigrid Bock (1930-2019)

Die Anna-Seghers-Gesellschaft Berlin und Mainz e.V. trauert um Sigrid Bock, eines ihrer wichtigsten Gründungsmitglieder, eine gute Freundin und überaus liebenswerte Frau. Es geht wesentlich auf ihr Engagement zurück, dass nach 1990 die Erinnerung an Anna Seghers nicht beschädigt wurde. Auch bei der Gründung und Konzipierung unseres Jahrbuchs „Argonautenschiff“ war Sigrid Bock federführend und ideenreich. Die Seghers-Forschung verliert eine bedeutende Germanistin, die sich jahrzehntelang dem Schaffen der großen Erzählerin gewidmet hat. Die Lebensleistung von Prof. Dr. Sigrid Bock ist untrennbar verbunden mit der Literatur von Anna Seghers: In vier Bänden ihrer verdienstvollen Edition „Über Kunstwerk und Wirklichkeit“ (1970-1979) hat sie akribisch alles gesammelt und kommentiert, was die Schriftstellerin über ihr erzählerisches Werk hinaus in Essays, Reden, Artikeln und Briefen für das Wirkungspotential von Literatur und Ästhetik geleistet hat. So konnte sie gerade auch die Publizistik von Seghers aus den frühen Jahren wiederentdecken und neu zugänglich machen.
Einer der schönsten, ja aufsehenerregenden Funde ist die ganz frühe Erzählung „Die Toten auf der Insel Djal“, 1925 in der Frankfurter Zeitung gedruckt und von Sigrid Bock 1985 im Aufbau-Verlag in einer bibliophilen Ausgabe herausgegeben.
Ihr Buch „Der Weg führt nach St. Barbara. Die Verwandlung der Netty Reiling in Anna Seghers“ (2008) hat über die Studienjahre und die frühen Prägungen der jungen Netty Reiling bis in die Zeit, als Anna Seghers die Meistererzählung „Aufstand der Fischer von St. Barbara“ geschrieben hat, fundamental Neues zu Tage gefördert und in feinsinnigen Deutungen herausgearbeitet. Dabei hat sie stets eminent politische Fragestellungen in den Fokus genommen und die Mitglieder der Anna-Seghers-Gesellschaft zu lebhaften Diskussionen angeregt.
Sigrid Bock war bis zu ihrer Emeritierung 1990 Professorin an der Akademie der Wissenschaften der DDR. In zahlreichen Publikationen hat sie sich zur deutschen Literatur des Exils und zur Antikriegsliteratur seit 1918 geäußert.

Die Trauerfeier findet am Freitag, 15. November 2019, statt: 14 Uhr im Krematorium Berlin-Baumschulenweg, Kiefholzstraße 221.

„Transit“ – Theater in Wangen im Allgäu

Was: „Transit“ – Gastspiel des Landestheaters Tübingen nach dem Roman von Anna Seghers
Wann: Fr., 11.10.19, 20 Uhr
Wo: Stadthalle, Jahnstr. 21, 88239 Wangen im Allgäu

Während des Zweiten Weltkrieges ist Marseille der letzte „freie“ Überseehafen und damit die letzte Chance für wartende Flüchtlinge. Es sind überwiegend Deutsche, die ihr Leben retten wollen vor dem mörderischen Treiben der NS-Diktatur: Juden, Regimekritiker und Künstler. Entweder hier oder nirgends. Aber sie müssen warten – warten auf eine Aufenthaltsgenehmigung, einen neuen Pass, ein Transit-Visum. Und so stehen sie Schlange in den Konsulaten voller Hoffnung auf ein Schiff, das sie aus dem brennenden Europa wegbringt: Der Kapellmeister auf dem Weg nach Caracas, die Schriftstellerin auf der Flucht vor sich selbst, der Arzt und der Erzähler, der sich das Visum eines verstorbenen Schriftstellers angeeignet hat und an dessen Stelle reisen will. Wäre da nicht Marie, die Frau des Toten …

In „Transit“ sind es vor allem Deutsche, die sich auf der Flucht befinden – wie die Autorin Anna Seghers (1900–1983), die selbst 1941 über Marseille nach Mexiko floh. Der Roman erschien 1944 zunächst nur in englischer und spanischer Sprache. Er erzählt die Geschichte einer Liebe zwischen Flucht, Exil und der Sehnsucht nach einem Ort, der ein Zuhause ist.

„Transit“ – Theater in Tübingen

Was: Premiere von „Transit“ – Theater nach dem Roman von Anna Seghers
Wann: Fr., 27.10.19, 20 Uhr
Wo: Landestheater Tübingen, Eberhardstr. 6, 72072 Tübingen
Wieviel:
6–28 €
Karten: online

Während des Zweiten Weltkrieges ist Marseille der letzte „freie“ Überseehafen und damit die letzte Chance für wartende Flüchtlinge. Es sind überwiegend Deutsche, die ihr Leben retten wollen vor dem mörderischen Treiben der NS-Diktatur: Juden, Regimekritiker und Künstler. Entweder hier oder nirgends. Aber sie müssen warten – warten auf eine Aufenthaltsgenehmigung, einen neuen Pass, ein Transit-Visum. Und so stehen sie Schlange in den Konsulaten voller Hoffnung auf ein Schiff, das sie aus dem brennenden Europa wegbringt: Der Kapellmeister auf dem Weg nach Caracas, die Schriftstellerin auf der Flucht vor sich selbst, der Arzt und der Erzähler, der sich das Visum eines verstorbenen Schriftstellers angeeignet hat und an dessen Stelle reisen will. Wäre da nicht Marie, die Frau des Toten …

In „Transit“ sind es vor allem Deutsche, die sich auf der Flucht befinden – wie die Autorin Anna Seghers (1900–1983), die selbst 1941 über Marseille nach Mexiko floh. Der Roman erschien 1944 zunächst nur in englischer und spanischer Sprache. Er erzählt die Geschichte einer Liebe zwischen Flucht, Exil und der Sehnsucht nach einem Ort, der ein Zuhause ist.

„Das siebte Kreuz“ – Lesung in Augsburg

Was: Lesung „Das siebte Kreuz“
Wann: So., 06.10.19, 11 Uhr
Wo: Brechthaus, Auf dem Rain 7, 86152 Augsburg
Wieviel: 5 €

Stefan Schön liest aus Anna Seghers‘ Roman „Das siebte Kreuz“.

Neuerscheinung „Mit einer Flügeltür ins Freie fliegen. Gespräche“

Anna Seghers ist eine der bedeutendsten deutschen Schriftstellerinnen. Mit fesselnden Werken wie Transit und Das siebte Kreuz erlangte sie Weltruhm und prägte sie das vergangene Jahrhundert mit. Als Jüdin, Kommunistin und entschlossene Gegnerin des Nationalsozialismus wurde sie verfolgt, wurden ihre Bücher verboten und verbrannt. Nach ihrer Rückkehr aus dem Exil folgte sie dem Ruf der Kommunistischen Partei und entschied sich für ein Leben in der DDR. Als Präsidentin des Deutschen Schriftstellerverbandes betonte sie stets die Bedeutung der Literatur für den Aufbau des Sozialismus und wurde als Ikone des DDR-Literaturbetriebs gefeiert. Der vorliegende Band Mit der Flügeltür ins Freie fliegen bringt bislang unveröffentliche Gespräche, die Anna Seghers mit dem NDL-Redaktuer Achim Roscher seit dem Jahr 1961 führte. Sie drehen sich um neue Literatur, um ästhetische Positionen, um historische Ereignisse – und stets auch um die Belange der schriftstellerischen Arbeit in der DDR. Die aufmerksame und stets interessierte Leserin will von ihm wissen, wer denn dieser B. Traven-Forscher sei; Rolf Recknagel deckte das Pseudonym Travens auf, und die Seghers will ihm sagen, dass er auf dem richtigen Weg ist. So lernen sie sich kennen; und immer wieder besucht Roscher danach Anna Seghers, die Gespräche werden in lockerer Folge bis zu ihrem Tode fortgeführt. Von Anfang an zeichnet Roscher die Gedanken der Seghers auf. Entstanden ist ein sehr persönliches Lebenszeugnis dieser großen Schriftstellerin, ergänzt durch Briefe, die sie in dieser Zeit an Roscher bzw. die Literaturzeitschrift NDL schrieb.

Mit einer Flügeltür ins Freie fliegen. Gespräche. Anna Seghers und Achim Roscher. Berlin: Verlag Neues Leben, ISBN 978-3-355-01884-5, 192 S., gebunden, 20 €. Bestellen.

Zum Tod von Prof. Dr. Eva Kaufmann

Prof. Dr. Eva Kaufmann (Foto: Bernd Lasdin)

Prof. Dr. Eva Kaufmann (Foto: Bernd Lasdin)

Die Anna-Seghers-Gesellschaft Berlin und Mainz e.V. trauert um ihr Gründungsmitglied, die Literaturwissenschaftlerin Prof. Dr. Eva Kaufmann, die am 18. Juli in Berlin nach einem erfüllten Leben gestorben ist. 1930 in Berlin geboren, bekam sie 1951 die Möglichkeit, an der Arbeiter-und-Bauern-Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin (HUB) die Hochschulreife zu erwerben, Germanistik zu studieren und – nach Tätigkeiten an der Akademie der Wissenschaften Berlin und der Friedrich-Schiller-Universität Jena sowie akademischen Auslandsaufenthalten – 1975 als Dozentin an die HUB zurückzukehren. Dort wurde sie 1977 zur ordentlichen Professorin für Neuere Deutsche Literatur berufen.

Weiterlesen

„Transit“ – Theater in Landsberg

Was: „Transit“
Wann: Di., 15.10.19, 20 Uhr
Wo: Stadttheater Landsberg, Schlossergasse 381, 86899 Landsberg am Lech
Wieviel: 20–26 €
Karten: online

In „Transit“ sind es vor allem Deutsche, die sich auf der Flucht befinden – wie die Autorin Anna Seghers (1900 – 1983), die selbst 1941 über Marseille nach Mexiko floh. Der Roman, erschienen 1944 zunächst nur in englischer und spanischer Sprache, wirft Fragen auf, die heute noch aktuell sind: Was heißt es, sein Land verlassen zu müssen und auf der Flucht zu sein? Was macht eine menschliche Existenz aus? Und was ist ein Papier, wie ein Visum, wert ohne ein wahres Ziel? Chaos, Warten, Hoffnung und Verzweiflung sind auch heute für Millionen von Menschen auf der Flucht bittere Realität.

Führung „Das KZ Osthofen in der Literatur – Anna Seghers‘ ‚Das siebte Kreuz'“

Was: Führung „Das KZ Osthofen in der Literatur – Anna Seghers‘ ‚Das siebte Kreuz'“
Wann: So., 07.07.19, 14 Uhr
Wo: Gedenkstätte SS-Sonderlager/KZ Hinzert, An der Gedenkstätte, Hinzert-Pölert
Wieviel: Eintritt frei

Bei dieser Führung liegt ein besonderer Blick auf Anna Seghers‘ Roman „Das siebte Kreuz“, es wird mit ausgewählten Textpassagen aus dem Roman gearbeitet. Gemeinsamer Rundgang über das Gelände der Gedenkstätte. Besuch der Dauerausstellung „Verfolgung und Widerstand in Rheinland-Pfalz 1933-1945“. Führung und Eintritt in die Gedenkstätte sind kostenlos, eine vorherige Anmeldung ist für Einzelbesucherinnen und -besucher nicht erforderlich.

„Transit“ – Lesung in Dresden

Anna Seghers' Roman "Transit"

Anna Seghers‘ Roman „Transit“

Was: Lesung aus „Transit“
Wann: Do., 20.06.19, 19 Uhr
Wo: farbwerk e.V. im Zentralwerk (Souterrain), Riesaer Straße 32, Dresden
Wieviel: Eintritt frei

Tausende Flüchtende kommen 1940 von überall her nach Marseille, um Europa zu verlassen. Was alle verbindet: Warten, Resignation, Chaos. Hoffnung. Die Menschen sind auf der Jagd nach Einreise-, Ausreise- und Durchreisevisa, Aufenthaltserlaubnissen und Pässen, Informationen und Schiffspassagen. Sie hetzen durch das Chaos dieser Stadt am Meer, kämpfen gegen den bürokratischen Wahnsinn und verzweifeln. Ihre Wege kreuzen sich in den Cafés, in den Behörden, auf den Straßen. Die Menschen erkennen sich wieder und bleiben sich trotzdem fremd.

Anna Seghers schreibt ihren Roman „Transit“ Anfang der 1940er Jahre auf der Flucht ins mexikanische Exil. Was sie darin erzählt, passiert auch jetzt. Ahmad Mesgarha, Schauspieler am Staatsschauspiel Dresden, liest aus „Transit“ und lässt uns wundern aufgrund der Aktualität. All die Geschichten, Mühen und Kämpfe, Ängste und Hoffnungen sind Gegenwart. Auch das Sterben von Flüchtenden ist Gegenwart. Im Mittelmeer, an den Grenzen, in Europa.

„Fluchtweg nach Marseille“ – Filmvorführung in München

Was: Film „Fluchtweg nach Marseille“ nach dem Roman „Transit“ von Anna Seghers
Wann: Mi., 22.05.19, 19 Uhr
Wo: Filmmuseum München, Sankt-Jakobs-Platz 1, 80331 München
Wieviel: 6 € (5 € für MFZ-Mitglieder)

BRD 1977 | R+B: Ingemo Engström & Gerhard Theuring, frei nach dem Roman »Transit« von Anna Seghers | K: Axel Block | D: Katharina Thalbach, Rüdiger Vogler, François Mouren-Provensal, Ruth Fabian | 210 min