„Katharina oder: Die Kunst Arbeit zu finden“ auf DVD erschienen

Vier Frauen suchen in schwierigen Zeiten Arbeit. Die Schriftstellerin Anna Seghers musste 1933 ins Exil nach Paris fliehen. Auf der Suche nach neuen Stoffen erinnerte sie sich dort an einen Zeitungsartikel über Maria Einsmann, die in Mainz viele Jahre unerkannt in Männerkleidern gearbeitet hatte. So entstand die Geschichte der Katharina Rendel, die nach dem Tod ihres Mannes seine Kleider anzieht, um Arbeit zu finden.

Katharina oder: Die Kunst Arbeit zu finden. Nach einem Drehbuch von Anna Seghers u.a. Länge: 80 Min. Zu bestellen bei: Barbara Trottnow Medienproduktion

„Weile an dieser Quelle“ – Literarisch-musikalischer Abend in Potsdam

Was: Literarisch-musikalischer Abend rund um den schwedischen Sänger Carl Michael Bellman
Wann: Sa., 21.03.20, 19.30 Uhr
Wo: Kabarett Obelisk, Charlottenstr. 31, 14467 Potsdam
Wieviel: VVK 20 €
Karten: online

Um das Jahr 1920 scharte der Kunsthistoriker Wilhelm Fraenger, der später in Potsdam lebte, in Heidelberg einen Kreis von Studenten und Professoren um sich, dem auch Carl Zuckmayer angehörte. Sie trugen hier u. a. Lieder des schwedischen Nationaldichters Carl Michael Bellman (1740 – 1795) vor und machten so dessen Werk einem breiteren Publikum in Deutschland bekannt.
In Zusammenarbeit mit der Deutschen Bellman-Gesellschaft und der Anna-Seghers-Gesellschaft möchte die Wilhelm-Fraenger-Gesellschaft, die ihren Sitz in Potsdam
hat, an diese Tradition anknüpfen. Mit einer Mischung aus Texten und Liedern soll an den schwedischen Dichter erinnert werden.
Musikalisch wird der Abend von der südhessischen Folk-Formation Molwert (= Maulwurf ) sowie dem Heidelberger Sänger und Regisseur Wolfgang Mettenberger gestaltet.

„Das siebte Kreuz“ – Lesung in Paris

Was: Lesung mit der Schauspielerin Ariane Ascaride, dem Schriftsteller Arno Bertina und dem Journalisten Jean Birnbaum
Wann: Mi., 26.02.20, 20 Uhr
Wo: Maison de la Poésie, Passage Molière, 157 rue Saint-Martin, 75003 Paris
Wieviel: 10 €, Carte Goethe 5 €

Aus sieben gekappten Platanen werden in einem Konzentrationslager Folterkreuze für sieben geflohene Häftlinge vorbereitet. Sechs der Männer müssen ihren Ausbruchsversuch mit dem Leben bezahlen. Das siebte Kreuz aber bleibt frei. Der Überlebende trifft während seiner Flucht auf Männer und Frauen, die sich entscheiden müssen zwischen Verrat und Treue, egoistischer Abkehr und Mitmenschlichkeit, Denunziation und Solidarität.

Dieser Roman, den Anna Seghers während ihres Exils in Paris schrieb und welcher erstmals 1942 in den USA veröffentlicht wurde, verarbeitet nicht nur ihre eigenen Fluchterfahrungen, sondern zeigt auch eine Gesellschaft, in welcher der Nationalsozialismus das tiefste Wesen der Menschen offenbart.

„Melpo Axioti und Anna Seghers“ – Vortragsabend in Heidelberg

Was: Vortragsabend „Melpo Axioti und Anna Seghers“
Wann: Do., 20.02.20, 18.30 Uhr
Wo: Rohrbacher Schlösschen, Röntgenstr. 1, 69126 Heidelberg

„Sie haben so über unsere Zeit und ihr Volk geschrieben, daß die,
die nach ihnen leben, begreifen werden, wie es ihnen zumute war.“
Anna Seghers über Melpo Axioti

Wäre nicht anstelle eines Vorworts ein Brief von Anna Seghers abgedruckt worden, Melpo Axiotis Roman „Tränen und Marmor“ wäre heute wohl noch weniger bekannt, als er es ohnehin schon ist. 1949 erschien das Buch der überzeugten griechischen Kommunistin, die von 1950 bis 1964 im Exil in der DDR lebte, im Ost-Berliner Verlag Volk und Welt, freilich ohne dass sie mit ihm an den Erfolg ihres großen Romans „20. Jahrhundert“ hätte anknüpfen können, in dem sie vom Widerstand griechischer Frauen gegen den Faschismus erzählt.
Erst Ende der 1960er-Jahre nahm, angeregt nicht zuletzt durch die  Studentenbewegung, auch die literarische Öffentlichkeit der Bundesrepublik von der griechischen Schriftstellerin Notiz. Inzwischen regierte in ihrer Heimat das Militär. Der Vortrag will mit einer kritischen Schriftstellerin bekannt machen, die zu Unrecht in Vergessenheit geraten ist. Er zeigt, wie Melpo Axioti das Schreiben als eine Form des Widerstands gegen Faschismus und Militarismus begreift, wodurch sie für Anna Seghers zu einer Wahlverwandten wird. Eine Lesung ausgewählter Texte von Melpo Axioti beschließt die Veranstaltung.

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Offener Brief zur Aberkennung der Gemeinnützigkeit für die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes-Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) [Update]

Update vom 14.01.20: Der Minister hat inzwischen reagiert, die Antwort ist im Anschluss an den offenen Brief zu finden.

Sehr geehrter Herr Scholz,

mit großer Sorge haben wir von der Debatte um die Aberkennung der Gemeinnützigkeit für die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes-Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) gehört. Wir halten diese Entscheidung gerade in der heutigen Zeit für fatal und kontraproduktiv. Leider haben sich in den letzten Jahren Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit, Intoleranz und auch Aggression gegen das vermeintlich ‚Andere‘ gehäuft. Es ist sicher nicht übertrieben, diese Tendenzen als faschistoid zu beschreiben. Dem dürfen wir aber als demokratische Kräfte in der Gesellschaft keinen Raum lassen.

Ich bin selbst seit vielen Jahren SPD- und VVN-Mitglied und habe noch Menschen kennengelernt, die im Widerstand gegen den Nationalsozialismus aktiv waren. Deren Beitrag zum Aufbau einer demokratischen Gesellschaft nach dem Zweiten Weltkrieg ist in der Bundesrepublik lange Zeit verkannt und totgeschwiegen worden. Ich habe es immer als meine Aufgabe gesehen, dem entgegenzuwirken.

Als Anna-Seghers-Gesellschaft sind wir zudem einer Schriftstellerin verpflichtet, die z.B. in ihren Romanen „Der Kopflohn“, „Das siebte Kreuz“ oder „Transit“ bleibende Zeugnisse der Notwendigkeit hinterlassen hat, sich schon frühzeitig gegen diese Tendenzen zu wehren. Gerade in den letzten Jahren haben diese Werke (auch bei Lese-Aktionen) viele Leserinnen und Leser gefunden und in den Bereichen Film, Theater und Bildende Kunst viele Künstlerinnen und Künstler angeregt.

Wir schließen uns deshalb dem beiliegenden Offenen Brief des Auschwitz-Komitees von Esther Bejarano an und hoffen, dass die VVN weiterhin auch mit staatlicher Förderung ihre wichtige gesellschaftspolitische Aufgabe erfüllen kann.

Mit freundlichen Grüßen

Hans-Willi Ohl
Vorsitzender der Anna-Seghers-Gesellschaft

Offener Brief als [pdf]
Offener Brief von Esther Bejarano [pdf]

Update vom 14.01.20:

Sehr geehrter Herr Ohl,

vielen Dank für Ihr Schreiben vom 16. Dezember 2019 an Herrn Olaf Scholz in seiner Eigenschaft als Bundesminister der Finanzen. Ihm gehen Bürgeranliegen in sehr großer Anzahl zu. Deshalb bitte ich um Ihr Verständnis, dass der Minister nicht selbst die Beantwortung übernehmen kann, sondern dem Bürgerreferat diese Aufgabe übertragen wurde.

Die von Ihnen kritisierte Entscheidung der Berliner Steuerverwaltung hat den Minister genauso überrascht wie Sie. Dass die Verfassungstreue der VVN-BdA angezweifelt würde, hätte er sich nicht vorstellen können.

Die Steuerverwaltung ist nach der verfassungsrechtlichen Aufgabenverteilung in erster Linie eine Angelegenheit der Länder. Zu den Aufgaben der Finanzämter gehört auch die Überprüfung der Gemeinnützigkeit von steuerbegünstigten Organisationen. In der für das Recht der Gemeinnützigkeit ausschlaggebenden Abgabenordnung (AO) ist geregelt, dass das Finanzamt einer Organisation die Gemeinnützigkeit entziehen soll, wenn sie in einem Verfassungsschutzbericht des Bundes oder eines Landes ausdrücklich als extremistisch eingestuft ist (§51 Absatz 3 Satz 2 AO). Die betroffene Organisation hat die Möglichkeit, diese Vermutung der extremistischen Aktivität durch die Nennung in einem Verfassungsschutzbericht zu widerlegen. Dieser Weg wurde vom VVN-BdA unterdessen beschritten.

Die Berliner Steuerverwaltung hat den Vollzug des Steuerbescheides ausgesetzt. Das ist zunächst einmal eine gute Nachricht. Im Übrigen möchte ich Sie wissen lassen, dass das Bundesministerium der Finanzen die Berliner Steuerverwaltung in der Zwischenzeit um eine genaue Darstellung des Sachverhalts gebeten hat.

Ich hoffe diese Informationen waren hilfreich für Sie.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Bürgerreferat

1. Newsletter der Anna-Seghers-Gesellschaft

Liebe Leserinnen und Leser,

angesichts des bevorstehenden 120. Geburtstages der Schriftstellerin sowie des im übernächsten Jahr zu begehenden 30-jährigen Bestehens der Anna-Seghers-Gesellschaft, haben wir uns entschlossen, dem digitalen Wandel – neben der eigenen Webseite, einem Account bei Facebook und dem bereits via E-Mail erhältlichen Mitgliederbrief – noch ein Stück weiter zu folgen.

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„Transit“ – Theater in Schwäbisch Gmünd

Was: „Transit“ – Theater nach dem Roman von Anna Seghers. Gastspiel des Landestheater Tübingen
Wann: Mi., 11.12.19, 20 Uhr
Wo: Congress-Centrum Stadtgarten, Peter-Parler-Saal, Rektor-Klaus-Straße 9, 73525 Schwäbisch Gmünd
Wieviel:
12–21 €
Karten: online

Während des Zweiten Weltkrieges ist Marseille der letzte „freie“ Überseehafen und damit die letzte Chance für wartende Flüchtlinge. Es sind überwiegend Deutsche, die ihr Leben retten wollen vor dem mörderischen Treiben der NS-Diktatur: Juden, Regimekritiker und Künstler. Entweder hier oder nirgends. Aber sie müssen warten – warten auf eine Aufenthaltsgenehmigung, einen neuen Pass, ein Transit-Visum. Und so stehen sie Schlange in den Konsulaten voller Hoffnung auf ein Schiff, das sie aus dem brennenden Europa wegbringt: Der Kapellmeister auf dem Weg nach Caracas, die Schriftstellerin auf der Flucht vor sich selbst, der Arzt und der Erzähler, der sich das Visum eines verstorbenen Schriftstellers angeeignet hat und an dessen Stelle reisen will. Wäre da nicht Marie, die Frau des Toten …

In „Transit“ sind es vor allem Deutsche, die sich auf der Flucht befinden – wie die Autorin Anna Seghers (1900–1983), die selbst 1941 über Marseille nach Mexiko floh. Der Roman erschien 1944 zunächst nur in englischer und spanischer Sprache. Er erzählt die Geschichte einer Liebe zwischen Flucht, Exil und der Sehnsucht nach einem Ort, der ein Zuhause ist.

29. Jahrestagung der Anna-Seghers-Gesellschaft in Mainz

Die 29. Jahrestagung der Anna-Seghers-Gesellschaft findet in diesem Jahr unter dem Motto Begegnungen mit Anna Seghers vom 06.–08. Dezember 2019 in Mainz statt.

Angeregt insbesondere durch unsere jungen Mitglieder wollen wir uns auf dieser Jahrestagung mit dem Thema Begegnungen mit Anna Seghers beschäftigen. Dabei sind nicht nur persönliche Begegnungen mit der Schriftstellerin gemeint – von denen können wohl nur noch wenige unserer Mitglieder berichten –, sondern es geht um die Frage, wie unterschiedliche Personen in verschiedenen kulturellen und politischen Kontexten auf Anna Seghers als Dichterin und Mensch sowie auf ihre literarischen und essayistischen Texte aufmerksam geworden sind, sei es durch die Vermittlung (oder Nichtvermittlung) in der Schule, durch Verfilmungen ihrer Romane und Erzählungen, durch Hörspieladaptionen oder Gestaltungen anderer Dichter/innen und Bildender Künstler/innen.

Anmeldungen an: Christina Schreiber, An der Bordwiese 17, 55270 Klein-Winternheim oder christina.schreiber@anna-seghers.de

Flyer Tagungsprogramm [pdf]

Neuerscheinung: „Anna Seghers: The Challenge of History“

Anna Seghers: The Challenge of History features essays by leading scholars devoted to this most important German writer whose novels and stories have been read by millions worldwide. The volume is intended for teachers and students of literature and for general readers. The contributions address facets of Seghers’s large body of work which is characterized by reflections on political events shaping world history and written in a highly imaginative array of narrative styles. The first section focuses on the author’s famous novel The Seventh Cross. Articles in the next two sections analyze her reactions to crises that marked the twentieth century and her connections to other relevant thinkers of her time. The last section features new translations of Seghers’s works.

Herausgegeben von Helen Fehervary, Christiane Zehl Romero and Amy Kepple Strawser.

Weitere Informationen …
Per Subskription bis 31.12.19 50 Prozent Rabatt [PDF]

„TransitTage“ – Theater in Bielefeld

Was: TransitTage. Ein Anna-Seghers-Projekt
Wann: Sa., 16.11.19, 19.30 Uhr
Wo: TAM drei, Alter Markt 1, 33602 Bielefeld
Karten: online

Im Frühjahr 1941 verlässt Anna Seghers Europa. In Deutschland ist ihr Werk zu diesem Zeitpunkt längst von den Nazis verboten, ihr Besitz beschlagnahmt, ihre Bücher verbrannt. In Mexiko wird sie, die verfolgte Antifaschistin, herzlich aufgenommen. Hier findet sie mit ihrer Familie für die verbleibenden Kriegsjahre Zuflucht sowie einen Kreis aus engagierten FreundInnen und KollegInnen. Ein gutes Zuhause, wenngleich auch keine neue Heimat. Permanent zwischen den Welten hängen. Nirgendwo ankommen. Nie ganz dazugehören. Das sind nicht nur die bestimmenden Themen in Anna Seghers‘ Leben, sondern auch in ihrem großen Exilroman Transit, aus dem im Februar 1943 in Mexiko erstmals öffentlich gelesen wird.

In der Ferne und Fremde entwirft die Autorin eine Analyse des Europas, das sie verlassen musste – und stellt erstaunliche Überlegungen über eines an, das mal werden könnte. Vor dem Hintergrund der bemerkenswerten Werke von Anna Seghers lohnt es sich einmal mehr, einen Blick auf das Europa zu werfen, das tatsächlich geworden ist. Ein Europa, das wieder mit Extremerfahrungen von Flucht und Exil konfrontiert ist. Ein Europa, in dem »Transitzentren« geschaffen werden, um »neue Grenzregime zu etablieren«.

TransitTage feiert Anna Seghers, Deutschlands große Exil-Erzählerin, ihren scharfen Blick, ihr Leben auf der Durchreise und all die Gestrandeten, denen sie eine bleibende Stimme verliehen hat.