„Transit Marseille – Schreiben auf der Flucht, 1940 und heute“ – Feature bei Deutschlandfunk Kultur

Was: Radio-Feature „Transit Marseille – Schreiben auf der Flucht, 1940 und heute“
Wann: So., den 27.09.20, 22:03 Uhr
Wo: Deutschlandfunk Kultur

Marseille ist eine Stadt der Passage, und immer sind unter den Reisenden auch Flüchtlinge.
Marseille ist eine Stadt der Passage, ihr Hafen seit Jahrhunderten Ort der Ankunft und Abreise. Unter denen, die hier ankamen und ankommen, sind viele Schriftstellerinnen und Schriftsteller. 1940 wurde Marseille zum letzten freien Hafen im von Hitlers Wehrmacht besetzten Frankreich. Zahlreiche deutschsprachige Exilanten versuchten, Schiffe zu finden und Europa zu verlassen. Unter ihnen war Anna Seghers, die die Atmosphäre unter den Exilanten in dem Roman „Transit“ einfing. Die Emigrantin beschreibt das Ankommen und Abreisen und die Gesprächsthemen – Botschaftstermine, Visabedingungen, Schiffspassagen, Geldverdienen – als permanentes Transitgeflüster, das in der Hafenstadt schon seit phönizischen und römischen Zeiten zu Hause sei. Heute, 80 Jahre später, irren andere Flüchtlinge durch Marseille. Wieder sind unter ihnen Schriftstellerinnen und Schriftsteller. Ihre Gespräche ähneln denen, die Anna Seghers beschreibt: Die Flüchtlinge haben Angst vor Verfolgung, warten auf das nächste Papier und sind inmitten der Schönheit der Stadt einsam. Wie schreiben in dieser Situation?

„Transit“ – Hörspiel auf Bayern 2

Was: Hörspiel nach dem Roman von Anna Seghers
Wann: Sa., 26.09.20, 15:05 Uhr
Wo: Bayern 2

Im noch unbesetzten Südfrankreich sammeln sich 1940 die vor Hitler geflohenen Antifaschisten, Nazigegner und Juden. Marschall Pétains Gendarmen konzentrieren die Flüchtlinge in Internierungslagern und liefern sie der Gestapo aus, wenn sie kein Visum vorweisen können, das sie zur Einreise in ein sicheres Land berechtigt. In „Transit“ durchleben zwei Deutsche in Marseille die Schrecken jener Jahre. „Transit“ gehört zu den Klassikern der Exilliteratur.

Mit Heidy Forster, Peter Lieck, Christoph Lindert und anderen
Bearbeitung: Bernhard Pfletschinger
Regie: Wolf Euba
BR/RIAS/NDR 1983

„Transit“ – Theater in Halle (Saale)

Was: Theaterstück nach dem Roman von Anna Seghers
Wann: nä. Termine 18.09. + 03.10. + 09.10. + 22.10.20, 19.30 Uhr
Wo: Bühnen Halle, neues theater, Große Ulrichstraße 51, 06108 Halle (Saale)
Wieviel: 23 €
Karten: online

Tausende Flüchtlinge strömen im Sommer 1940 aus dem nationalsozialistischen Deutschland in die französische Hafenstadt Marseille. Hier beginnt für die Verfolgten und Heimatlosen ein quälendes Warten und oftmals auch die fiebrige Jagd nach Bescheinigungen, Stempeln und Dokumenten. Unklar bleibt dabei, ob Marseille für sie zu einer tödlichen Sackgasse oder zum Tor in ein neues Leben wird. Inmitten der ausharrenden Menschenmassen und vor dem Hintergrund von Krieg, Flucht und Vertreibung entspinnt sich eine Liebesgeschichte zwischen dem aus einem Arbeitslager entkommenen Seidler und Marie. Die rastlose Frau sucht ihren Mann, den sie bereits verlassen hat, nichtsahnend, dass dieser längst tot ist und Seidler dessen Identität angenommen hat.

Diese extreme Ausnahmesituation stellt die Frage nach der Instabilität eigener Identitäten in Krisen. Kann die Liebe in einem Netz aus Lügen und Verrat dann überhaupt ihren Weg finden?
Als Jüdin und Kommunistin doppelt gefährdet, floh Anna Seghers 1933 über die Schweiz nach Paris und 1941 mit ihrer Familie von Marseille nach Mexiko. Auf dieser Odyssee begann sie, ihren Roman Transit zu schreiben, der sich autobiografische Erlebnisse zunutze macht.

Stellungnahme des Vorstands der Christa-Wolf-Gesellschaft zu Helga Schubert

„Einige regionale und überregionale Tageszeitungen haben die Vergabe des Ingeborg- Bachmann-Preises 2020 an Helga Schubert zum Anlass genommen, mit der Autorin Gespräche zu führen oder in einem Porträt über sie und ihre Jahre in der DDR zu berichten. Helga Schubert hat in diesem Kontext diverse politisch und persönlich motivierte Aussagen zu Autorinnen wie Anna Seghers, Sarah Kirsch und vor allem Christa Wolf getroffen …“ Die vollständige Stellungnahme ist auf der Internetseite der Christa-Wolf-Gesellschaft zu finden.

„Der Ausflug der toten Mädchen“ – Historisch-literarischer Audiowalk durch Mainz

Das Staatstheater Mainz bietet seit Neuestem einen historisch-literarischen Audiowalk durch Mainz auf den Spuren von Anna Seghers‘ „Der Ausflug der toten Mädchen“ an. Der knapp zweistündige Audiowalk bringt die Geschichte eines Schulausflugs vor dem ersten Weltkrieg in die Straßen von Mainz. Wir folgen Netty, wie sie auf ihre Freundinnen trifft, erste Verliebtheiten beredet und von dem Schulausflug in eine noch von Krieg, Ideologie und Zerstörung unberührte Stadt zurückkehrt. Immer wieder scheint das Bild aber zu verschwimmen und es blitzen die Schicksale der Menschen auf, die Netty an diesem Tag begleiten. Weitere Informationen …

Wiedereröffnung des Anna-Seghers-Museums

Öffnungszeiten und Führungen
Di/ Tue 10.00 11.30 13.00 14.30
Do/Thu 10.00 11.30 13.00 14.30 (Kiezspaziergang Adlershof)

Da die Anzahl der Besucher*innen begrenzt werden muss, sind Führungen aktuell nur zu den o.g. Zeiten möglich. Daher wird um Voranmeldung gebeten unter Tel. 030-677 4725 oder per E-Mail annaseghersmuseum@adk.de.
Für die Vereinbarung von Sonderführungen außerhalb der regulären Öffnungszeiten schicken Sie uns gern eine Anfrage, die wir umgehend beantworten.

Weiterlesen

„Transit“ – Lesung in Potsdam

Was: Matthias Brandt liest im Rahmen des Potsdam Literaturfestivals aus dem Klassiker von Anna Seghers und spricht mit Christian Petzold über dessen Filmadaption
Wann: Do., 06.08.20, 20 Uhr
Wo: Open Air bei den Schirrhofnächten, Kulturquartier Schiffbauergasse, 14467 Potsdam
Wieviel: 15 €, erm. 12 €
Karten: online

Der Autor und Schauspieler Matthias Brandt unterhält sich mit dem Drehbuchautor und Regisseur Christian Petzold über dessen Film -Adaption des Romans „Transit“ von Anna Seghers, in der das Flüchtlingsdrama des zweiten Weltkriegs in das Marseille von heute transponiert wird. Matthias Brandt, der Erzähler in dem Film, und Christian Petzold lesen aus Roman und Drehbuch und sprechen über die tragischen Schicksale und Verwicklungen des im Film zeitlos erzählten historischen Stoffes.

Offener Brief zur Aberkennung der Gemeinnützigkeit für die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes-Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) [Update]

Update vom 10.07.20: Die Gemeinnützigkeit der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes-Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) wird weiterhin infrage gestellt. Eine Petition fordert die Berliner Finanzbehörden auf den Status wieder anzuerkennen.

Update vom 14.01.20: Der Minister hat inzwischen reagiert, die Antwort ist im Anschluss an den offenen Brief zu finden.

Sehr geehrter Herr Scholz,

mit großer Sorge haben wir von der Debatte um die Aberkennung der Gemeinnützigkeit für die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes-Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) gehört. Wir halten diese Entscheidung gerade in der heutigen Zeit für fatal und kontraproduktiv. Leider haben sich in den letzten Jahren Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit, Intoleranz und auch Aggression gegen das vermeintlich ‚Andere‘ gehäuft. Es ist sicher nicht übertrieben, diese Tendenzen als faschistoid zu beschreiben. Dem dürfen wir aber als demokratische Kräfte in der Gesellschaft keinen Raum lassen.

Ich bin selbst seit vielen Jahren SPD- und VVN-Mitglied und habe noch Menschen kennengelernt, die im Widerstand gegen den Nationalsozialismus aktiv waren. Deren Beitrag zum Aufbau einer demokratischen Gesellschaft nach dem Zweiten Weltkrieg ist in der Bundesrepublik lange Zeit verkannt und totgeschwiegen worden. Ich habe es immer als meine Aufgabe gesehen, dem entgegenzuwirken.

Als Anna-Seghers-Gesellschaft sind wir zudem einer Schriftstellerin verpflichtet, die z.B. in ihren Romanen „Der Kopflohn“, „Das siebte Kreuz“ oder „Transit“ bleibende Zeugnisse der Notwendigkeit hinterlassen hat, sich schon frühzeitig gegen diese Tendenzen zu wehren. Gerade in den letzten Jahren haben diese Werke (auch bei Lese-Aktionen) viele Leserinnen und Leser gefunden und in den Bereichen Film, Theater und Bildende Kunst viele Künstlerinnen und Künstler angeregt.

Wir schließen uns deshalb dem beiliegenden Offenen Brief des Auschwitz-Komitees von Esther Bejarano an und hoffen, dass die VVN weiterhin auch mit staatlicher Förderung ihre wichtige gesellschaftspolitische Aufgabe erfüllen kann.

Mit freundlichen Grüßen

Hans-Willi Ohl
Vorsitzender der Anna-Seghers-Gesellschaft

Offener Brief als [pdf]
Offener Brief von Esther Bejarano [pdf]

Update vom 14.01.20:

Sehr geehrter Herr Ohl,

vielen Dank für Ihr Schreiben vom 16. Dezember 2019 an Herrn Olaf Scholz in seiner Eigenschaft als Bundesminister der Finanzen. Ihm gehen Bürgeranliegen in sehr großer Anzahl zu. Deshalb bitte ich um Ihr Verständnis, dass der Minister nicht selbst die Beantwortung übernehmen kann, sondern dem Bürgerreferat diese Aufgabe übertragen wurde.

Die von Ihnen kritisierte Entscheidung der Berliner Steuerverwaltung hat den Minister genauso überrascht wie Sie. Dass die Verfassungstreue der VVN-BdA angezweifelt würde, hätte er sich nicht vorstellen können.

Die Steuerverwaltung ist nach der verfassungsrechtlichen Aufgabenverteilung in erster Linie eine Angelegenheit der Länder. Zu den Aufgaben der Finanzämter gehört auch die Überprüfung der Gemeinnützigkeit von steuerbegünstigten Organisationen. In der für das Recht der Gemeinnützigkeit ausschlaggebenden Abgabenordnung (AO) ist geregelt, dass das Finanzamt einer Organisation die Gemeinnützigkeit entziehen soll, wenn sie in einem Verfassungsschutzbericht des Bundes oder eines Landes ausdrücklich als extremistisch eingestuft ist (§51 Absatz 3 Satz 2 AO). Die betroffene Organisation hat die Möglichkeit, diese Vermutung der extremistischen Aktivität durch die Nennung in einem Verfassungsschutzbericht zu widerlegen. Dieser Weg wurde vom VVN-BdA unterdessen beschritten.

Die Berliner Steuerverwaltung hat den Vollzug des Steuerbescheides ausgesetzt. Das ist zunächst einmal eine gute Nachricht. Im Übrigen möchte ich Sie wissen lassen, dass das Bundesministerium der Finanzen die Berliner Steuerverwaltung in der Zwischenzeit um eine genaue Darstellung des Sachverhalts gebeten hat.

Ich hoffe diese Informationen waren hilfreich für Sie.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Bürgerreferat

Neuerscheinung: „Im Schutz von Adler und Schlange. Anna Seghers im mexikanischen Exil“ von Monika Melchert

Die Zeit, die ich in Mexiko verbrachte, gehört zu den schönsten und wichtigsten Abschnitten meines Lebens. Das Land, seine Menschen und Landschaften werden mir immer nahestehen.
(Anna Seghers)

Die Flucht aus dem von Hitlers Truppen besetzten Frankreich gelang in letzter Minute. Ende Juni 1941 erreichte Anna Seghers mit ihrer Familie nach langer, hindernisreicher Schiffsreise Mexiko. Hier, in ihrem zweiten Exilland, hat sie ihren größten literarischen Erfolg errungen, die Veröffentlichung des Romans Das siebte Kreuz, hier erlitt sie aber auch den tiefsten Schmerz, als sie erfuhr, dass ihre Mutter deportiert und ermordet worden war. Dazu kam ein beinah tödlicher Unfall, der ihr viel Kraft raubte und sie für Monate aufs Krankenlager warf. Die Ankunft in der Neuen Welt sicherte Anna Seghers und vielen ihrer engen Freunde das Überleben und brachte ihnen die Begegnung mit einer für sie gänzlich neuen Kultur, einer farbenfrohen und temperamentvollen tropischen Welt. Mexiko, dessen Wappensymbole Adler, Schlange und Kaktus sind, hatte zahllosen Emigranten großzügig seine Tore geöffnet und ihnen uneingeschränkte Möglichkeiten gegeben, ihre berufliche, ihre künstlerische Arbeit fortzusetzen. In Mexiko beendete Anna Seghers ihren weltberühmten Roman Transit und schrieb die wunderbare Erzählung Der Ausflug der toten Mädchen. Auch später, als sie längst wieder in Berlin lebte, kehrte sie in ihren Erzählungen gedanklich immer wieder nach Mexiko zurück.

Monika Melchert: Im Schutz von Adler und Schlange. Anna Seghers im mexikanischen Exil. 200 Seiten. 22 Abbildungen. Hardcover mit Schutzumschlag, Format: 12,5 x 20,5 cm. ISBN: 978-3-947215-84-3. € 20,00 (D) / € 20,50 (A). Lieferbar ab Juli 2020.

Die Unbeugsame. Olga Benario in ihren Briefen und aus den Akten der Gestapo

Anna Seghers schrieb 1951 einen kurzen Text über die Jüdin und Kommunistin Olga Benario. 1908 in München geboren war sie 1936, zusammen mit ihrem Mann, dem brasilianischen Revolutionär Luiz Carlos Prestes, im Kampf gegen die Diktatur in Brasilien verhaftet und bald danach an das nationalsozialistische Deutschland ausgeliefert worden. Prestes saß die folgenden neun Jahre in Brasilien in Einzelhaft. Im KZ Lichtenburg brachte Olga die gemeinsame Tochter zur Welt, Anita Leocádia, die 14 Monate später zu ihrer Großmutter nach Mexiko gebracht wurde.
In einem eindrucksvollen Hörbuch verdeutlichen Ute Kaiser, Gabriela Börschmann und Martin Molitor nun in einer schnörkellos-eindringlichen Montage von Briefen und Gestapoakten den grausamen Gegensatz zwischen der Welt der Opfer und der Täter. Dem warmen Ton der Briefe von Olga Benario und Luiz Carlos Prestes steht die kalte Diktion der nationalsozialistischen Bürokratie gegenüber. Olga Benario stirbt 1942 im KZ Ravensbrück. Anna Seghers schreibt über sie: „Sie hat dort bis zum letzten Atemzug ihre Kraft und Jugend für das gegeben, wofür sie gelebt hat.“

Nähere Informationen und Bestellung des Hörbuchs