Wir trauern um unser Ehrenmitglied Elfriede Brüning: 8. 11. 1910 – 5. 8. 2014

Elfriede Brüning auf der letzten Jahrestagung der Anna-Seghers-Gesellschaft im November 2013 in der Landesvertretung Rheinland-Pfalz in Berlin.

Elfriede Brüning auf der letzten Jahrestagung der Anna-Seghers-Gesellschaft im November 2013 in der Landesvertretung Rheinland-Pfalz in Berlin.

Sie war die letzte Vertreterin des Bun­des proletarisch-revolutionärer Schrift­steller, dem sie als ganz junge Autorin beigetreten war und dessen Ideale sie bis ins hohe Alter vertreten hat, mit ihren mehr als 30 Büchern und ihrem gesamten Einsatz als eine eindrucks­volle Persönlichkeit.
Elfriede Brüning, die Anna Seghers noch aus der Zeit der Weimarer Republik gekannt hat, wurde 1992 Gründungsmitglied der Anna-Se­ghers-Gesell­schaft Berlin und Mainz e. V. Noch im vergangenen No­vem­ber nahm sie an der Jahrestagung der Gesell­schaft in Berlin teil und begeisterte uns durch die lebendig vorgetragenen Erinnerungen an ihr Leben.
Wir werden ihr ein würdiges Andenken bewahren.
Die Trauerfeier findet am Mo., 25. August 2014, um 12 Uhr auf dem Dorotheenstädtschen Friedhof in Berlin, Chausseestr. 126 statt.

Anna-Seghers-Gesellschaft Berlin und Mainz e. V.
- Der Vorstand -

Aktualisierte Auswahlbibliographie zu Anna Seghers

auswahlbibliographieWie findet man Literatur zu Anna Seghers, wenn man etwas über ihr Leben oder ihr Werk schreiben will? Antwort: in einer Bibliographie. Schaute man bisher auf die Homepage von Anna Seghers, so stößt man auf eine Bibliographie, die im Jahr 2003 endet. Das kann nicht so bleiben, beschloss der Vorstand der Anna-Seghers-Gesellschaft und hat nun dieses Verzeichnis von Texten über Anna Seghers aktualisiert. Den Grundstock bilden dabei die Aufsätze, die im ›Argonautenschiff‹, dem Jahrbuch der Anna-Seghers-Gesellschaft, veröffentlicht wurden. Das Verzeichnis erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, Ergänzungen sind erwünscht und werden gerne eingearbeitet. Schauen Sie einfach mal rein!

Auswahlbibliographie zu Anna Seghers 1992-2014

Auszeichnung für Abiturientin an der Integrierten Gesamtschule Anna Seghers Mainz

Christina Schreiber überreicht Tamara Ahmed die Auszeichnung, rechts: Schulleiter Harry Poignie

Christina Schreiber überreicht Tamara Ahmed die Auszeichnung, rechts: Schulleiter Harry Poignie

Während der akademischen Feier zum Abschluss der Abiturprüfungen an der Integrierten Gesamtschule Anna Seghers in Mainz erhielt die Abiturientin Tamara Ahmed eine Auszeichnung und einen Buchpreis der Anna-Seghers-Gesell­­schaft. Tamara Ahmed hat in den letzten Jahren bei öffentlichen Lesungen in Mainz, die von der Schule mitgestaltet wurden, einem größeren Publikum Texte von Anna Seghers zu Gehör gebracht und verfasst selbst lyrische Texte und Kurzgeschichten, die in einem gemein­samen Projekt mit der Berliner Partnerschule veröffentlicht wurden. Christina Schreiber, Vorstandsmitglied der Gesellschaft, überreichte Tamara Ahmed die Auszeichnung in den Räumen der Akademie der Wissenschaften und der Literatur am 28. März 2014.
Der Vorstand der ASG hat beschlossen, auch zukünftig einer Abiturientin oder einem Abiturienten der Anna Seghers-Schule als Anerkennung für literarisches Engagement einen Buchtitel von oder zu Seghers zu überreichen.

“Ein feiner Kerl – einer von uns” des Chawwerusch Theater am 13.4. in den Mainzer Kammerspielen

Szene aus der Inszenierung "Ein feiner Kerl" des Chawwerusch Theater (Quelle: Chawwerusch Theater)

Szene aus der Inszenierung “Ein feiner Kerl” des Chawwerusch Theater (Quelle: Chawwerusch Theater)

Im vergangenen Jahr führte das Chawwerusch-Theater Herxheim die In­­sze­­nierung “Ein feiner Kerl” in der KZ-Gedenkstätte in Osthofen erstmalig auf. Das Stück, eine Bearbeitung der Lebensgeschichte von Max Tschornicki – dessen gelungene Flucht aus dem KZ Osthofen Anregung für Anna Seghers’ Roman “Das siebte Kreuz” wurde – wird nun im Rahmen der Ausstellung “Lega­li­sier­ter Raub. Der Fiskus und die Ausplünderung der Juden in Hessen und in Rheinhessen 1933-1945″ in den Mainzer Kammerspielen einem grö­ße­ren Publikum vorgestellt. Der Rechts­anwalt Max Tschornicki hatte, selbst nachdem die Nazis bereits an der Macht waren, angeklagte Nazigegner engagiert vor Gericht anwaltlich vertreten. Dafür wurde der Jude, Sozialdemokrat und Reichsban­nermann von den rheinhessischen Nazis gehasst, wie er von der linken Arbeitern verehrt wurde. Die Nazis sperrten ihn in das neu errichtete Konzentrationslager in Osthofen, aus dem er dank der Hilfe des Kommunisten Philipp Wahl, des Reichsbannerangehörigen Christoph Weitz und seiner Verlobten am 3. Juli 1933 fliehen konnte. Nach einer ›Odyssee‹ über Auschwitz, Groß Rosen, Buchenwald, Natzweiler und Sachsenhausen starb er völlig entkräftet und an Ruhr erkrankt am 20. April 1945 in einem Auenlager von Dachau. In den Mainzer Kammerspielen ist die Inszenierung mit Texten von Anna Seghers, Stéphane Hessel, Walter Benjamin und Wolf Biermann am Sonntag, den 13. April, um 19.00 Uhr zu sehen.

“Ein feiner Kerl – einer von uns” am 13.4. (19.00h) in den
Mainzer Kammerspielen

Veranstaltungen ›zu‹ und ›bei‹ Anna Seghers im März und April

Rudolf Schlolz’ "Bibliotheksroman" "Schließzeit", erschienen im Dingsda Verlag

Rudolf Schlolz’ “Bibliotheks­roman” “Schließzeit”, erschienen im Dingsda-Verlag

Während der Leipziger Buchmesse (13.-16. März 2014) finden in Leipzig traditionell eine Fülle von Lesungen statt – ein Lesefest mit dem Namen ›Leipzig liest‹. Dabei wird es in zwei Veranstaltungen auch um Anna Seghers gehen, denn am Freitag, den 14. März, liest Rudolf Scholz aus seinem Roman Schließzeit (erschienen im Dingsda Verlag) um 18.00h in der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen. In dem “Bibliotheksroman” kämpft die Bibliothe­karin Anne Wittig um den Erhalt der Bibliothek in einer ostdeutschen Kleinstadt. Vor einem Bild von Anna Seghers, das in der Bibliothek hängt und abgenommen werden soll, führt die Bibliothekarin im Roman immer wieder ›innere Dialoge‹ mit der Schriftstellerin.
Tags darauf (Samstag, den 18. März, 17.30h) stellen der Herausgeber Siegfried Lokatis, Professor für Buchwissen­schaften an der Universität Leipzig, und die Herausge­berinnen Theresia Rost und Grit Steuer ihr kürzlich im mitteldeutschen verlag erschienenes Buch Vom Autor zur Zensurakte: Abenteuer im Leseland DDR im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig vor. Der Band versammelt knapp 30 kompakte Artikel zum Thema, darunter auch ein Beitrag zu Anna Seghers: Konstantin Ulmer befasst sich mit der Publikationskontroverse im Jahr 1962 um die Luchterhand-Ausgabe in der Bundesrepublik von Anna Seghers’ Roman Das siebte Kreuz.
Auch die Anna-Seghers-Gedenkstätte, kürzlich in einem Fernsehbeitrag des Rundfunks Berlin-Brandenburg vorgestellt, lädt in den kommenden Wochen zu Lesungen ein. Am 14. März (Freitag, 18.00h) erzählt Ursula Kurze aus dem Leben Rainer Maria Rilkes und singt einige seiner Gedichte in eigenen Vertonungen. Rechtzeitige Anmeldungen hierzu – telefonisch unter 030/6774725 (Di. und Do. 10-16h) – sind ratsam, ebenso zur Buchvorstellung der ersten Doppelbiographie zu Christa und Gerhard Wolf Gemeinsam gelebte Zeit (erschienen im Verlag für Berlin-Brandenburg) am Dienstag, den 8. April 2014 (18.00h) mit der Autorin Sonja Hilzinger.
Die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Dresden lädt in der “Woche der Brüderlichkeit” ebenfalls zu einem Seghers-Abend ein. Am 12. März liest dort im Jüdischen Gemeindehaus (Hasenberg 1) um 19.00h Monika Melchert aus ihrem Buch Heimkehr in ein kaltes Land, das beim Verlag Berlin-Brandenburg erschien.

Sendereihe “Autoren erzählen” im Südwestrundfunk (SWR)

In der Sendereihe “Autoren erzählen” präsentiert der Südwestrundfunk eine Folge kurzer Porträts deutscher Autorinnen und Autoren. Die Reihe greift dabei auf Fernseharchivmaterial zurück, auf Interviews und Tagungen, in denen die SchriftstellerInnen – darunter Heinrich Böll, Michael Ende, Anna Seghers, Christa Wolf, Heiner Müller, Uwe Johnson, Friedrich Dürrenmatt und Max Frisch – u.a. über ihre Arbeit, ihr Selbstverständnis als Schriftsteller und die Gründe ihrer Entscheidung für ein Leben in West und Ost sprechen. Die neuen Sendungen werden in den nächsten Tagen zum ersten Mal ausgestrahlt (zu Anna Seghers, SWR, Sa. 22.02.2014 um 7:45h) und können bereits auf der Webseite Planet-Schule.de angeschaut werden.

Die Sendereihe auf planet-schule.de

›Brecht-Tage 2014‹. Diskussionen, ein Film und Vorträge zu Brecht, Musil, Seghers und Benjamin

Die diesjährigen ›Brecht-Tage 2014‹, vom 10. bis 14. Februar (Montag – Freitag) im Literaturforum im Brecht-Haus, wenden sich vor allem Brechts Romanen und Romanprojekten zu. Vorträge, Diskussionen und auch die Vorführung der einzigen Verfilmung eines Brecht Romans (Mi, 12.2., 20h) – „Geschichtsunterricht“ (Italien/BRD 1972, 88 Min.), von Jean-Marie Straub und Danièle Huillet, auf der Grundlage des Fragments “Die Geschäfte des Herrn Julius Caesar” – werden dort zu sehen und zu hören sein. Eröffnet werden die ›Brecht-Tage‹ mit einer Diskussion zwischen Stephan Speicher und Lorenz Jäger über Brecht als Romancier. Jörg-Uwe Albig, Nora Bossong und Georg M. Oswald gehen besonders auf den “Dreigroschenroman”, den einzigen von Brecht fertiggestellen Roman, und seine mögliche erzählstrategische Aktualität zur Darstellung und Verhandlung des Kapitalismus ein (Di, 11.2., 20h). Jakob Hein und Gerhard Henschel diskutieren am Donnerstag über Brechts “Tui-Fragment” (kurz für „Tellekt-Uelle-In“). Auf der abschließenden öffentlichen Tagung (Eintritt frei) zu Brechts Romanen und Romanprojekten wird der Blick auch über Brecht hinaus geöffnet. Die Seghers-Forscherin Helen Feverhary wird über „Große/kleine Pädagogik im Romanwerk von Bertolt Brecht und Anna Seghers“ sprechen, Uta Degner über „Menschen ohne Eigenschaften. Innovationen des Gesellschaftsromans bei Brecht und Musil“ und Sophia Ebert beschäftigt sich mit einem von Brecht und Walter Benjamin gemeinsam geplanten Projekt zu einem Kriminalroman.

Das Programm der ›Brecht-Tage 2014‹ im Literaturforum im Brecht-Haus

Ausstellung “Legalisierter Raub. Der Fiskus und die Ausplünderung der Juden in Hessen 1933–1945″

Die Mutter, Hedwig Reiling, mit ihrer Tochter Netty.

Die Mutter, Hedwig Reiling, mit ihrer Tochter Netty.

In der Gedenkstätte KZ Osthofen wurde am 16. Januar die Ausstellung “Legalisierter Raub. Der Fiskus und die Ausplünderung der Juden in Hessen 1933-1945″ eröffnet. Vom Fritz Bauer Institut Frankfurt am Main sowie dem Hessischen Rundfunk mit Unterstützung der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen und des Hessischen Ministeriums für Wissen­schaft und Kunst erarbeitet, wandert sie seit 2002 durch Hessen mit jeweils regionalen Schwerpunkten. Für die Region Rhein­hessen besteht dieser in einem Fokus auf die Ausplünderung der als jüdisch Verfolgten in der Region und wird nun erstmals in Rheinland-Pfalz in der Gedenkstätte KZ Osthofen Station machen, wo sie noch bis zum 5. Juni zu sehen ist. Am Mittwoch, den 5. Februar, wird es dort auch um die Familie Seghers-Reiling gehen. Im Rahmen der Ausstellung spricht Hans Berkessel zum Thema “Die Verfolgung der Familie Seghers-Reiling und ihre Spuren in der Literatur”. Im Anschluss daran liest die Schauspielerin Gaby Reichardt aus Anna Seghers’ Erzählung “Der Ausflug der toten Mädchen”.

Begleitprogramm zur Ausstellung in der Gedenkstätte KZ Osthofen
“Ein persönlicher Erfahrungsbericht” zur Ausstellungseröffnung, von Hans-Willi Ohl
Radiobeitrag von Ludger Fittkau zur Ausstellung (SWR2, 15. Januar 2014)

Lesung mit Monika Melchert: “Abschied im Adlon. die Geschichte von Thea und Carl Sternheim”

Im Berlin Nobelhotel „Adlon“ trennen sich im November 1927 zwei Menschen, die füreinander mehr bedeuteten, als ihnen selber zu diesem Zeitpunkt bewusst ist: Carl Sternheim (1878-1942) war einer der meistgespielten Theaterautoren des frühen 20. Jahrhunderts. Sein Komödienzyklus „Aus dem bürgerlichen Heldenleben“ („Die Hose“, „Die Kassette“, „Der Snob“ etc) oder sein Drama „1913“  haben Theatergeschichte geschrieben. Und auch heute noch finden sich seine Stücke zuweilen auf Spielplänen. Seine Frau Thea Sternheim, 20 Jahre mit ihm verheiratet, aber ein Leben lang an ihn gebunden, ist eine faszinierende Erscheinung der Epoche. Sie tritt mit ihrem einzigen Roman „Sackgassen“ erst spät als Autorin hervor. Doch ein Leben lang hat sie Tagebuch geschrieben: ein Jahrhundertkompendium über Kunst und Künstler, die Katastrophen des Zeitalters und ihre Ehe mit Carl Sternheim. Die Freundschaft mit bedeutenden Malern und Schriftstellern, darunter Gottfried Benn und Heinrich Mann, André Gide, Frans Masereel und Annette Kolb, begleitet ihren Lebensweg, der 1971 in Basel endet. Sie waren Liebende, die sich anfangs gegenseitig vergötterten und später heftig aneinander gelitten haben. Ein Paar, das nicht mit- und nicht ohne einander leben konnte. Die Geschichte von Thea und Carl Sternheim ist voller großer Emotionen und erschütternder Zusammenbrüche.

Flyer zur Lesung mit Monika Melchert
Rezension von Sonja Hilzinger zum Buch (ND, 9.12.2013)

Bericht zur 23. Jahrestagung der Anna-Seghers-Gesellschaft

Vom 22. bis  24. November fand in Berlin die 23. Jahrestagung der Anna-Seghers-Gesellschaft zum Thema “Freundschafts- und Arbeitsbeziehungen in Leben und Werk von Anna Seghers” statt. Der Bericht zum Mitgliedertreffen, zur Tagung und zur abschließenden Matinée im Literaturforum im Brecht-Haus kann hier nachgelesen werden.

Bericht zur 23. Jahrestagung der Anna-Seghers-Gesellschaft

Vorstand der ASG auf der Mitgliederversammlung

Vorstand der ASG auf der Mitgliederversammlung

Radvanyi-Familie: von links: Netty (Urenkelin von Anna Seghers), Jean (Enkel), Pierre (Sohn) und Nadine Steinitz (Tochter von Jeanne und Kurt Stern)

Radvanyi-Familie: von links: Netty (Urenkelin von Anna Seghers), Jean (Enkel), Pierre (Sohn) und Nadine Steinitz (Tochter von Jeanne und Kurt Stern)

Tagungsatmosphäre im Saal der Landesvertretung Rheinland-Pfalz in Berlin

Tagungsatmosphäre im Saal der Landesvertretung Rheinland-Pfalz in Berlin