Anna-Seghers-Preis 2020 für Ivna Žic und Hernán Ronsino

Den diesjährigen Anna-Seghers-Preis erhalten die kroatisch-schweizerische Autorin Ivna Žic und der Argentinier Hernán Ronsino. Die Preisverleihung findet am 20. November 2020 in der Berliner Akademie der Künste statt.

Der mit derzeit jeweils 12.500 Euro dotierte Preis wird von der Anna-Seghers-Stiftung an NachwuchsautorInnen aus dem deutschen Sprachraum und aus Lateinamerika verliehen, die im Sinne von Anna Seghers mit den Mitteln der Kunst zur Entstehung einer gerechteren menschlichen Gesellschaft beitragen. Die Auswahl der Preisträger übernehmen im jährlichen Wechsel von der Stiftung beauftragte Persönlichkeiten aus dem literarischen Leben.

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Gedenktafel für Lore Wolf in Frankfurt am Main

Gedenktafel für Lore Wolf in der Gerlachstraße 24 in Frankfurt am Main (Quelle: Wikimedia, Dieterwesp, CC BY-SA 4.0)

Seit dem 11. März 2020 erinnert am früheren Wohnhaus von Lore Wolf (1900-1996) eine Gedenktafel an die Widerstandskämpferin. Lore Wolf wohnte in der Gerlachstraße 24 im Stadtteil Höchst von 1924 bis 1934.
Die Frankfurterin und Anna Seghers lernten sich im Pariser Exil kennen und wurden lebenslange Freundinnen. Lore Wolf war schon in den 1920er Jahren gewerkschaftlich aktiv und engagierte sich bei den Naturfreunden. 1933 trat sie in die KPD ein und arbeitete für die ‚Rote Hilfe‘. Sie floh mit ihrer Tochter zunächst ins Saarland dann nach Paris. Dort gab sie Anna Seghers für den Roman „Das siebte Kreuz“ wichtige Hinweise in Bezug auf Frankfurt und tippte das Manuskript des Buches ab.
Nach 1945 war sie Mitbegründerin der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN). In Frankfurt wurde ihr 1991 die Johanna-Kirchner-Medaille verliehen, die nach einer Frankfurter Widerstandskämpferin benannt ist. Über ihre Biografie kann man in den Büchern „Ein Leben ist viel zu wenig“ sowie „Ich habe das Leben lieb. Tagebuchblätter aus dem Zuchthaus Ziegenhain“ mehr erfahren. Mit Anna Seghers blieb sie bis zu deren Tod (1983) in enger Verbindung.

„Der Weg führt nach St. Barbara.“ In Erinnerung an Sigrid Bock

Mit der Biographie „Der Weg führt nach St. Barbara. Die Verwandlung der Netty Reiling in Anna Seghers“ hatte Sigrid Bock ihr letztes großes Buch publiziert und in Mainz und an mehreren Orten in Rheinhessen erfolgreich vorgestellt. Dabei gelang ihr eine ganz eigene und sensible Annäherung an die junge Mainzerin Netty Reiling, die sich nach der Auszeichnung mit dem Kleist-Preis für ihre Meistererzählung „Aufstand der Fischer von St. Barbara“ zu der später weltbekannten Schriftstellerin Anna Seghers entwickelte. Leben und Werk von Anna Seghers waren einer der Schwerpunkte, mit denen sich Sigrid Bock zeit ihres Lebens wissenschaftlich und publizistisch beschäftigt hat. Sie war auch an der Gründung und der Arbeit der Anna-Seghers-Gesellschaft Berlin und Mainz e. V. und an der Herausgabe deren Jahrbuchs „Argonautenschiff“ federführend beteiligt. Der gesamte Nachruf auf Sigrid Bock von Hans Berkessel, erschienen in „Mainzer Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte 1/2020“, im PDF-Format.

„Katharina oder: Die Kunst Arbeit zu finden“ auf DVD erschienen

Vier Frauen suchen in schwierigen Zeiten Arbeit. Die Schriftstellerin Anna Seghers musste 1933 ins Exil nach Paris fliehen. Auf der Suche nach neuen Stoffen erinnerte sie sich dort an einen Zeitungsartikel über Maria Einsmann, die in Mainz viele Jahre unerkannt in Männerkleidern gearbeitet hatte. So entstand die Geschichte der Katharina Rendel, die nach dem Tod ihres Mannes seine Kleider anzieht, um Arbeit zu finden.

Katharina oder: Die Kunst Arbeit zu finden. Nach einem Drehbuch von Anna Seghers u.a. Länge: 80 Min. Zu bestellen bei: Barbara Trottnow Medienproduktion

„Weile an dieser Quelle“ – Literarisch-musikalischer Abend in Potsdam

Was: Literarisch-musikalischer Abend rund um den schwedischen Sänger Carl Michael Bellman
Wann: Sa., 21.03.20, 19.30 Uhr
Wo: Kabarett Obelisk, Charlottenstr. 31, 14467 Potsdam
Wieviel: VVK 20 €
Karten: online

Um das Jahr 1920 scharte der Kunsthistoriker Wilhelm Fraenger, der später in Potsdam lebte, in Heidelberg einen Kreis von Studenten und Professoren um sich, dem auch Carl Zuckmayer angehörte. Sie trugen hier u. a. Lieder des schwedischen Nationaldichters Carl Michael Bellman (1740 – 1795) vor und machten so dessen Werk einem breiteren Publikum in Deutschland bekannt.
In Zusammenarbeit mit der Deutschen Bellman-Gesellschaft und der Anna-Seghers-Gesellschaft möchte die Wilhelm-Fraenger-Gesellschaft, die ihren Sitz in Potsdam
hat, an diese Tradition anknüpfen. Mit einer Mischung aus Texten und Liedern soll an den schwedischen Dichter erinnert werden.
Musikalisch wird der Abend von der südhessischen Folk-Formation Molwert (= Maulwurf ) sowie dem Heidelberger Sänger und Regisseur Wolfgang Mettenberger gestaltet.

„Das siebte Kreuz“ – Lesung in Paris

Was: Lesung mit der Schauspielerin Ariane Ascaride, dem Schriftsteller Arno Bertina und dem Journalisten Jean Birnbaum
Wann: Mi., 26.02.20, 20 Uhr
Wo: Maison de la Poésie, Passage Molière, 157 rue Saint-Martin, 75003 Paris
Wieviel: 10 €, Carte Goethe 5 €

Aus sieben gekappten Platanen werden in einem Konzentrationslager Folterkreuze für sieben geflohene Häftlinge vorbereitet. Sechs der Männer müssen ihren Ausbruchsversuch mit dem Leben bezahlen. Das siebte Kreuz aber bleibt frei. Der Überlebende trifft während seiner Flucht auf Männer und Frauen, die sich entscheiden müssen zwischen Verrat und Treue, egoistischer Abkehr und Mitmenschlichkeit, Denunziation und Solidarität.

Dieser Roman, den Anna Seghers während ihres Exils in Paris schrieb und welcher erstmals 1942 in den USA veröffentlicht wurde, verarbeitet nicht nur ihre eigenen Fluchterfahrungen, sondern zeigt auch eine Gesellschaft, in welcher der Nationalsozialismus das tiefste Wesen der Menschen offenbart.

„Melpo Axioti und Anna Seghers“ – Vortragsabend in Heidelberg

Was: Vortragsabend „Melpo Axioti und Anna Seghers“
Wann: Do., 20.02.20, 18.30 Uhr
Wo: Rohrbacher Schlösschen, Röntgenstr. 1, 69126 Heidelberg

„Sie haben so über unsere Zeit und ihr Volk geschrieben, daß die,
die nach ihnen leben, begreifen werden, wie es ihnen zumute war.“
Anna Seghers über Melpo Axioti

Wäre nicht anstelle eines Vorworts ein Brief von Anna Seghers abgedruckt worden, Melpo Axiotis Roman „Tränen und Marmor“ wäre heute wohl noch weniger bekannt, als er es ohnehin schon ist. 1949 erschien das Buch der überzeugten griechischen Kommunistin, die von 1950 bis 1964 im Exil in der DDR lebte, im Ost-Berliner Verlag Volk und Welt, freilich ohne dass sie mit ihm an den Erfolg ihres großen Romans „20. Jahrhundert“ hätte anknüpfen können, in dem sie vom Widerstand griechischer Frauen gegen den Faschismus erzählt.
Erst Ende der 1960er-Jahre nahm, angeregt nicht zuletzt durch die  Studentenbewegung, auch die literarische Öffentlichkeit der Bundesrepublik von der griechischen Schriftstellerin Notiz. Inzwischen regierte in ihrer Heimat das Militär. Der Vortrag will mit einer kritischen Schriftstellerin bekannt machen, die zu Unrecht in Vergessenheit geraten ist. Er zeigt, wie Melpo Axioti das Schreiben als eine Form des Widerstands gegen Faschismus und Militarismus begreift, wodurch sie für Anna Seghers zu einer Wahlverwandten wird. Eine Lesung ausgewählter Texte von Melpo Axioti beschließt die Veranstaltung.

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Offener Brief zur Aberkennung der Gemeinnützigkeit für die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes-Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) [Update]

Update vom 14.01.20: Der Minister hat inzwischen reagiert, die Antwort ist im Anschluss an den offenen Brief zu finden.

Sehr geehrter Herr Scholz,

mit großer Sorge haben wir von der Debatte um die Aberkennung der Gemeinnützigkeit für die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes-Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) gehört. Wir halten diese Entscheidung gerade in der heutigen Zeit für fatal und kontraproduktiv. Leider haben sich in den letzten Jahren Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit, Intoleranz und auch Aggression gegen das vermeintlich ‚Andere‘ gehäuft. Es ist sicher nicht übertrieben, diese Tendenzen als faschistoid zu beschreiben. Dem dürfen wir aber als demokratische Kräfte in der Gesellschaft keinen Raum lassen.

Ich bin selbst seit vielen Jahren SPD- und VVN-Mitglied und habe noch Menschen kennengelernt, die im Widerstand gegen den Nationalsozialismus aktiv waren. Deren Beitrag zum Aufbau einer demokratischen Gesellschaft nach dem Zweiten Weltkrieg ist in der Bundesrepublik lange Zeit verkannt und totgeschwiegen worden. Ich habe es immer als meine Aufgabe gesehen, dem entgegenzuwirken.

Als Anna-Seghers-Gesellschaft sind wir zudem einer Schriftstellerin verpflichtet, die z.B. in ihren Romanen „Der Kopflohn“, „Das siebte Kreuz“ oder „Transit“ bleibende Zeugnisse der Notwendigkeit hinterlassen hat, sich schon frühzeitig gegen diese Tendenzen zu wehren. Gerade in den letzten Jahren haben diese Werke (auch bei Lese-Aktionen) viele Leserinnen und Leser gefunden und in den Bereichen Film, Theater und Bildende Kunst viele Künstlerinnen und Künstler angeregt.

Wir schließen uns deshalb dem beiliegenden Offenen Brief des Auschwitz-Komitees von Esther Bejarano an und hoffen, dass die VVN weiterhin auch mit staatlicher Förderung ihre wichtige gesellschaftspolitische Aufgabe erfüllen kann.

Mit freundlichen Grüßen

Hans-Willi Ohl
Vorsitzender der Anna-Seghers-Gesellschaft

Offener Brief als [pdf]
Offener Brief von Esther Bejarano [pdf]

Update vom 14.01.20:

Sehr geehrter Herr Ohl,

vielen Dank für Ihr Schreiben vom 16. Dezember 2019 an Herrn Olaf Scholz in seiner Eigenschaft als Bundesminister der Finanzen. Ihm gehen Bürgeranliegen in sehr großer Anzahl zu. Deshalb bitte ich um Ihr Verständnis, dass der Minister nicht selbst die Beantwortung übernehmen kann, sondern dem Bürgerreferat diese Aufgabe übertragen wurde.

Die von Ihnen kritisierte Entscheidung der Berliner Steuerverwaltung hat den Minister genauso überrascht wie Sie. Dass die Verfassungstreue der VVN-BdA angezweifelt würde, hätte er sich nicht vorstellen können.

Die Steuerverwaltung ist nach der verfassungsrechtlichen Aufgabenverteilung in erster Linie eine Angelegenheit der Länder. Zu den Aufgaben der Finanzämter gehört auch die Überprüfung der Gemeinnützigkeit von steuerbegünstigten Organisationen. In der für das Recht der Gemeinnützigkeit ausschlaggebenden Abgabenordnung (AO) ist geregelt, dass das Finanzamt einer Organisation die Gemeinnützigkeit entziehen soll, wenn sie in einem Verfassungsschutzbericht des Bundes oder eines Landes ausdrücklich als extremistisch eingestuft ist (§51 Absatz 3 Satz 2 AO). Die betroffene Organisation hat die Möglichkeit, diese Vermutung der extremistischen Aktivität durch die Nennung in einem Verfassungsschutzbericht zu widerlegen. Dieser Weg wurde vom VVN-BdA unterdessen beschritten.

Die Berliner Steuerverwaltung hat den Vollzug des Steuerbescheides ausgesetzt. Das ist zunächst einmal eine gute Nachricht. Im Übrigen möchte ich Sie wissen lassen, dass das Bundesministerium der Finanzen die Berliner Steuerverwaltung in der Zwischenzeit um eine genaue Darstellung des Sachverhalts gebeten hat.

Ich hoffe diese Informationen waren hilfreich für Sie.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Bürgerreferat

1. Newsletter der Anna-Seghers-Gesellschaft

Liebe Leserinnen und Leser,

angesichts des bevorstehenden 120. Geburtstages der Schriftstellerin sowie des im übernächsten Jahr zu begehenden 30-jährigen Bestehens der Anna-Seghers-Gesellschaft, haben wir uns entschlossen, dem digitalen Wandel – neben der eigenen Webseite, einem Account bei Facebook und dem bereits via E-Mail erhältlichen Mitgliederbrief – noch ein Stück weiter zu folgen.

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„Transit“ – Theater in Schwäbisch Gmünd

Was: „Transit“ – Theater nach dem Roman von Anna Seghers. Gastspiel des Landestheater Tübingen
Wann: Mi., 11.12.19, 20 Uhr
Wo: Congress-Centrum Stadtgarten, Peter-Parler-Saal, Rektor-Klaus-Straße 9, 73525 Schwäbisch Gmünd
Wieviel:
12–21 €
Karten: online

Während des Zweiten Weltkrieges ist Marseille der letzte „freie“ Überseehafen und damit die letzte Chance für wartende Flüchtlinge. Es sind überwiegend Deutsche, die ihr Leben retten wollen vor dem mörderischen Treiben der NS-Diktatur: Juden, Regimekritiker und Künstler. Entweder hier oder nirgends. Aber sie müssen warten – warten auf eine Aufenthaltsgenehmigung, einen neuen Pass, ein Transit-Visum. Und so stehen sie Schlange in den Konsulaten voller Hoffnung auf ein Schiff, das sie aus dem brennenden Europa wegbringt: Der Kapellmeister auf dem Weg nach Caracas, die Schriftstellerin auf der Flucht vor sich selbst, der Arzt und der Erzähler, der sich das Visum eines verstorbenen Schriftstellers angeeignet hat und an dessen Stelle reisen will. Wäre da nicht Marie, die Frau des Toten …

In „Transit“ sind es vor allem Deutsche, die sich auf der Flucht befinden – wie die Autorin Anna Seghers (1900–1983), die selbst 1941 über Marseille nach Mexiko floh. Der Roman erschien 1944 zunächst nur in englischer und spanischer Sprache. Er erzählt die Geschichte einer Liebe zwischen Flucht, Exil und der Sehnsucht nach einem Ort, der ein Zuhause ist.